Wirtschaft : Bahn transportiert mehr Güter

Konzerntochter Railion legt auch in diesem Jahr weiter zu und tritt bald in der Schweiz an

Bernd Hops

Wiesbaden - Die Deutsche Bahn hat auf der Schiene in diesem Jahr bisher deutlich mehr Güter transportiert als in der entsprechenden Zeit 2006. Das sagte Konzernvorstand Norbert Bensel vor Journalisten. Für die ersten zwei Monate gab die Bahntochter Railion ein Plus bei der Verkehrsleistung von 5,9 Prozent bekannt. „Und wir lagen auch im März und April nicht darunter“, sagte Bensel. Railion-Chef Klaus Kremper sagte, das Wachstum werde vor allem durch eine höhere Effizienz bewältigt.

Der Schienengüterverkehr war lange Zeit eine Problemsparte der Bahn. Der Konzern hat auch mit tiefen Einschnitten gegengesteuert. Unter anderem wurden viele unrentable Gleisanschlüsse bis 2002 still gelegt. Der Bahn wurde daraufhin vorgeworfen, sich aus der Fläche zurückzuziehen. „Diese Zeiten kommen nicht mehr wieder“, sagte nun Railion-Chef Kremper. „Die Sanierung ist abgeschlossen.“ Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen 3,2 Milliarden Euro umgesetzt (plus 18 Prozent), bei einem Betriebsgewinn (Ebit) von 226 Millionen Euro ist das eine Steigerung um 208 Millionen. „Das reicht noch nicht aus, um die Investitionen zu finanzieren, ist aber ein deutlicher Schritt in die richtige Richtung“, sagte Kremper. „Mindestens eine drei müsste vorne stehen, besser eine vier.“ Eine konkrete Ergebnisprognose für dieses Jahr gab der Railion-Chef nicht ab. Er geht aber von einer weiteren Steigerung aus.

2006 war ein Rekordjahr für Railion. In fast jedem der Monate habe die Transportleistung über dem Maximalwert aus den Jahren 2000 bis 2005 gelegen, sagte Kremper. Die Auslastung der 100 000 Waggons sei gestiegen, liege aber immer noch nur bei „gut 50 Prozent“. „Eine Steigerung um zwei, drei Prozentpunkte würde sich schon spürbar beim Ergebnis auswirken.“ Innerhalb von fünf Jahren wolle die Bahn insgesamt 1,9 Milliarden Euro in neue Güterwaggons und -loks stecken, um den Fuhrpark zu modernisieren. Darin nicht enthalten sei die Expansion – etwa in Westeuropa und in Richtung Russland.

Demnächst tritt Railion laut Kremper in der Schweiz mit einer eigenen Landesgesellschaft an, um der SBB Kunden abzujagen. Die Schweizer sind bereits auf dem deutschen Markt aktiv und einer der härtesten Konkurrenten der Bahn. Jetzt will der Konzern den Spieß umdrehen – und sich um die lukrativen Kunden innerhalb der Schweiz bemühen.

Außerdem will sich Railion die bisherigen Staatsgesellschaften in Ungarn und Tschechien, die bald zur Privatisierung anstehen, genau ansehen. Allerdings ist insbesondere das ungarische Schienennetz stark sanierungsbedürftig.

Bereits stärker engagiert ist die Bahn – auch mit einer eigenen Tochter – in Italien. Railion-Chef Kremper erklärte, man sichere sich so Verkehre Richtung Norden. Mit der staatlichen Trenitalia liefen Gespräche, um bei der nötigen Sanierung zu helfen und einen Zusammenbruch zu verhindern. Denn das Unternehmen hat im vergangenen Jahr einen Verlust von 632 Millionen Euro eingefahren – bei nur einer Milliarde Euro Umsatz. Überhaupt steht Railion im Vergleich mit den meisten Güterbahnen in Europa gut da. Die französische SNCF hat mit dem Schienengüterverkehr zuletzt ein Minus von 260 Millionen Euro gemacht, die SBB 30 Millionen Schweizer Franken.

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