Wirtschaft : Bahn weist Vorwürfe zurück

Ralf Schönball/Carsten Brönstrup

Berlin - Die Deutsche Bahn hat am Dienstag bestätigt, dass sie Geschäftsbeziehungen zur Firma Network Deutschland unterhalten hat, die im Zentrum der Telekom-Bespitzelungsaffäre steht. Nach eigenen Angaben hat der Staatskonzern dem Unternehmen zwischen 1998 und 2007 insgesamt 43 Einzelaufträge im Wert von 800 000 Euro erteilt. Damit bestätigte die Bahn einen Bericht des „Handelsblatts“. „Es gibt keinen zweiten Fall Telekom“, schränkte aber der Anti-Korruptions-Beauftragte der Bahn, Wolfgang Schaupensteiner, ein. Es habe keine Bespitzelungen und keinen illegalen Datenabgleich im eigenen Konzern gegeben. Der für die Telekom-Affäre zuständige Oberstaatsanwalt Fred Apostel sagte dem Tagesspiegel auf Anfrage: „Es gibt bislang weit und breit keine Anhaltspunkte für Straftaten im Zusammenhang mit der Tätigkeit der Network Deutschland GmbH für die Deutsche Bahn.“

Schaupensteiner sagte, die Aufträge habe der Bereich Interne Revision erteilt. Dabei sei es nur um die Bekämpfung von Korruption und Wirtschaftskriminalität gegangen. Da das Auftragsvolumen gering sei, habe es keiner Genehmigung und Unterrichtung des Vorstands bedurft. Bei den Aufträgen, die Network Deutschland für die Bahn erledigte, „gibt es nicht den geringsten Hinweis darauf, dass das Unternehmen sich illegaler Methoden bedient hat“, sagte Schaupensteiner. „Es gibt keine Recherchen gegen Journalisten oder Organe“, wie etwa Aufsichtsräte oder Vorstände der Bahn, unterstrich er. Zur Aufklärung von Fällen, in denen Geschäftsgeheimnisse nach außen gedrungen waren, seien keine externen Dienstleister beauftragt worden.

Die Geschäftsbeziehungen zwischen der Bahn und Network Deutschland seien nicht beendet worden, da diese ohnehin aus Einzelaufträgen bestanden hätten, hieß es weiter. Der letzte Auftrag sei 2007 erteilt worden, und daran dürfte sich wohl nichts ändern:: „Die Arbeiten von Network Deutschland werden heute natürlich in einem ganz anderen Licht gesehen“, erklärte Schaupensteiner.

Politiker waren mit der Erklärung der Bahn nicht zufrieden. Sie müsse nun „alles tun, um die gravierenden Vorwürfe zu entkräften“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Winfried Hermann, dieser Zeitung. Notfalls müsse eine Kommission diese Aufgabe übernehmen. Sollte sich herausstellen, dass Politiker ausgeforscht worden sind, bekomme das Ganze „eine völlig neue Dimension“.

Ralf Schönball/Carsten Brönstrup

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