Wirtschaft : Bahn will Kunden besser behandeln

Bald neue Schadenersatz-Regeln im Nah- und Fernverkehr / Vorstand Rausch hofft auf die neuen Preise

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Berlin (brö). EisenbahnKunden in Europa sollen mehr Rechte bekommen und etwa bei Verspätungen von den Bahn-Unternehmen verbindliche Entschädigungen verlangen können. Entsprechende Verhandlungen liefen derzeit zwischen der Deutschen Bahn, der Europäischen Kommission und dem Bundesverbraucherschutzministerium, sagte Karl-Friedrich Rausch, der neue Personenverkehrs-Vorstand der Deutschen Bahn AG, dieser Zeitung. Parallel dazu strebt die Bahn an, ihr Image bei den Kunden wieder aufzupolieren. „Wir arbeiten an der Verbesserung des Service und der Qualität“, sagte Rausch.

Verbraucherschützer monieren seit langem, dass es bei Verspätungen und Zugausfällen keine verbindlichen Schadenersatzansprüche der Kunden gegen Bahn-Unternehmen gibt. Bei der Deutschen Bahn zum Beispiel sind die Fahrgäste weitgehend auf die Kulanz des Staatsunternehmens angewiesen. Hatten ICE-Züge bislang etwa 30 Minuten Verspätung, bekamen die Fahrgäste Reisegutscheine im Wert von zehn Euro ausgestellt, bei mehr als 90 Minuten Verspätung waren es 25 Euro. Weiter gehende Forderungen – etwa den Ersatz verfallener Konzertkarten oder den Ausgleich für geplatzte Geschäfte – hatte die Bahn bislang abgelehnt. Über die Kundenrechte hatte es zudem Streit zwischen Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen) und Bahnchef Hartmut Mehdorn gegeben.

Die Bundesregierung strebe für die Kundenrechte eine einheitliche europäische Regelung an, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums. Ob die Änderungen als Richtlinie kommen werden, die dann alle Mitgliedsländer in nationales Recht umsetzen müssen, ist noch unklar. Denkbar sei auch eine Vereinbarung über eine freiwillige Selbstverpflichtung der Bahn-Branche, hieß es.

Hohe Erwartungen an neue Preise

Bahn-Vorstand Rausch sagte, Ziel sei es, dass Kunden ein Recht auf Entschädigung hätten, „wenn ein Zug verspätet ist und wir Schuld daran haben“. Neue Regeln solle es „so schnell wie möglich“ geben, und zwar „differenziert nach Nah- und Fernverkehr“. Für die Bahn bedeuten die Regeln zusätzliche Kosten. Modelle, bei denen dies zu höheren Fahrpreisen von bis zu elf Prozent führen könnte, nannte ein Sprecher „ein Worst-Case-Szenario“.

Daneben erwartet Rausch von der Einführung des erneut überarbeiteten Preissystems ab 1. August einen Schub für den Personenverkehr. „Wir rechnen aufgrund der verbesserten Preisangebote mit mehr Kunden und damit mit höheren Umsätzen.“ Ihre Verluste werde die Bahn in diesem Jahr nicht ausweiten, versprach er. Würden die neuen Preise von den Kunden nicht angenommen, „hätten wir ein richtiges Problem“, sagte er.

Das Preissystem, das die Bahn im Dezember 2002 eingeführt hatte, war bei Fahrgast- und Umweltverbänden auf massive Kritik gestoßen. Im ersten Halbjahr waren deshalb viele Kunden auf das Auto und auf Billigflieger umgestiegen. Im Zuge des Protestes gegen die Tarife hatten zwei Top-Manager bei der Bahn ihren Posten verloren, und Rausch war vom Technik-Vorstand zum Personenverkehrs-Chef aufgerückt. Die Entwicklung um das Preissystem habe einen „Imageschaden“ gebracht. „Wir haben daraus gelernt“, beteuerte der Ex-Lufthansa-Manager.

Die Bahn hat angekündigt, zum 1. August neben der Bahncard 25 wieder eine Bahncard mit 50 Prozent Rabatt einzuführen, allerdings zu einem höheren Preis als bei der bis Ende vergangenen Jahres gültigen Bahncard. Daneben soll der Preis für die Netzkarten sinken, außerdem soll die Regelung der Frühbucher-Rabatte einfacher werden. „Wir reduzieren die Komplexität der Preisangebote“, sagte Rausch. Daneben schule man „mit Hochdruck“ die Verkäufer in den Reisezentren, damit sie den Kunden die neuen Preise erklären könnten.

Um für die Fahrgäste wieder attraktiv zu werden, plane die Bahn eine deutliche Verbesserung ihrer Qualität, ihres Angebots und ihres Services, sagte Rausch. So sollten die Züge pünktlicher werden. Dazu haben man den Fahrplan angepasst. Doch gegen höhere Gewalt, etwa Unwetter, sei man machtlos. „Eine hundertprozentige Pünktlichkeit der Bahn wird es deshalb nie geben.“ Das eröffne der Bahn neue Chancen. „Wenn wir unsere Qualitätsprobleme in den Griff bekommen, sind wir Auto und Flugzeug deutlich überlegen. Jedes positive Erlebnis zahlt positiv auf das Image ein.“ Wie gut das Geschäft nach dem 1. August laufe, sei gleichwohl von der Konjunktur abhängig. Die Bahn brauche eine „konjunkturelle Aufwärtsentwicklung“.

Bahn will 2005 an die Börse

Mehr Kundenfreundlichkeit sei darüber hinaus „Einstellungssache. Daran arbeiten wir heute.“ Rausch hielt fest an dem Ziel, die Bahn reif für die Börse zu machen. „Unsere Aufgabe ist es, dafür die Voraussetzungen zu schaffen.“ Die Entscheidung über den Gang an den Kapitalmarkt müsse aber der Eigentümer Bund treffen. „Bei einem Börsengang muss alles stimmen – nicht nur die Personalkosten“, sagte Rausch. Derzeit hat die Bahn noch höhere Personalaufwendungen als vergleichbare Konzerne. Bis dahin müsse die Bahn noch „an vielen Schrauben drehen, neue, pfiffige Ideen und Produkte entwickeln und sich den sich verändernden Marktbedingungen anpassen“, forderte Rausch.

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