• Bahn will weiter Billigangebote machen Mehdorn hebt die Preise um 3,1 Prozent an / NRW und Sachsen-Anhalt lehnen teureren Nahverkehr ab

Wirtschaft : Bahn will weiter Billigangebote machen Mehdorn hebt die Preise um 3,1 Prozent an / NRW und Sachsen-Anhalt lehnen teureren Nahverkehr ab

Bernd Hops,Antje Sirleschtov

Berlin - Bahnfahren wird zum Fahrplanwechsel im Dezember teurer. Im Fernverkehr werden Kunden der 2.Klasse künftig im Schnitt 3,1 Prozent mehr zahlen müssen. Einen entsprechenden Bericht des Tagesspiegel bestätigte die Bahn am Dienstag. Auch im Nahverkehr sind Preiserhöhungen geplant, müssen allerdings noch von den Bundesländern genehmigt werden. Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt lehnen eine Anhebung der Tarife aber kategorisch ab. Zusammen mit den Preiserhöhungen kündigte Karl-Friedrich Rausch, Personenverkehrsvorstand der Bahn, für den Herbst neue Sonderpreise an. Bereits im Sommer hatte die Bahn mit 29-Euro-Tickets zusätzliche Kunden gewonnen.

Unterdessen forderte der Chef der Bahngewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, eine Sondersitzung des Aufsichtsrats Anfang Oktober. Hansen, der auch Vizevorsitzender des Kontrollgremiums ist, sagte der „Süddeutschen Zeitung“ (Mittwoch), der derzeit von der Bahn für 2006 geplante Börsengang müsse aufgegeben werden, ohne bereits jetzt einen neuen Termin festzulegen.

Bahnvorstand Rausch nannte als Grund für die geplante Preiserhöhung vor allem die „sprunghaft“ gestiegenen Kosten für Energie. Seit Anfang 2003 sei etwa Strom um 34 Prozent teurer geworden. Auch andere Verkehrsträger im Nahverkehr wie die regionalen Verbünde hätten in den vergangenen Monaten bereits ihre Tarife angehoben oder Erhöhungen angekündigt. Und: Im Fernverkehr liege der Preis lediglich auf dem Niveau von 1997.

Das Bundesverkehrsministerium wollte sich am Dienstag nicht zu der angekündigten Preiserhöhung des bundeseigenen Unternehmens äußern. Zwar sitze der Bund im Aufsichtsrat. Doch „die Bahn ist ein privatwirtschaftliches Unternehmen und selbst für ihre Preispolitik verantwortlich“, sagte ein Sprecher von Minister Manfred Stolpe (SPD). Das Bundesverkehrsministerium könne lediglich bei den Nahverkehrspreisen eingreifen, und auch das nur dann, wenn sich Bundesländer und Bahn nicht einigen würden.

Danach sieht es zurzeit allerdings auch nicht aus. Ein Sprecher des Verkehrsministeriums in NRW sagte dem Tagesspiegel: „Es bleibt beim kategorischen Nein. Der Nahverkehr wird als Melkkuh der Bahn missbraucht.“ Karl-Heinz Daehre, Verkehrsminister von Sachsen-Anhalt, kündigte ebenfalls Widerstand an. „Bisher haben wir keine Anhaltspunkte für eine hinreichende Begründung“, sagte Daehre. Auch der brandenburgische Verkehrsminister Frank Szymanski ist skeptisch: „Weil ich gegen Preiserhöhungen im Nahverkehr bin, werde ich mir den Antrag der Bahn sehr kritisch ansehen.“

Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) wies darauf hin, dass der Erfolg der Bahn vom Vertrauen ihrer Kunden abhänge. „Die Bahn wäre daher gut beraten, die Gründe einer Preiserhöhung transparent und nachvollziehbar offenzulegen“, sagte ein Sprecher.

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