Wirtschaft : Bahn wirft Manager raus

Verantwortlicher für Meinungsmache muss gehen

Carsten Brönstrup
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Berlin - Die Deutsche Bahn hat Konsequenzen aus der Affäre um verdeckte Meinungsmache gezogen und sich von dem zuständigen Manager getrennt. Ralf Klein-Bölting, der Generalbevollmächtigte für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, sei „mit sofortiger Wirkung beurlaubt“, sagte ein Sprecher des Konzerns am Freitag auf Anfrage. Ob weitere Führungskräfte von den Maßnahmen wussten, womöglich der damalige Vorstandschef Hartmut Mehdorn, dem Klein-Bölting direkt untergeordnet war, konnte der Sprecher nicht sagen.

Die Bahn hatte nach eigenen Angaben im Jahr 2007 für 1,3 Millionen Euro die Agentur EPPA mit sogenannten „no badge“- Aktivitäten beauftragt – das sind Medienbeiträge, bei denen der Autor und seine Interessen nicht erkennbar sind. Dabei ging es nach Tagesspiegel-Informationen um Leserbriefe, Blog-Beiträge, Texte in Online-Foren und Radiobeiträge. EPPA wiederum habe die Denkfabrik Berlinpolis eingeschaltet. Berlinpolis bezeichnet sich selbst allerdings als „unabhängig und eigenverantwortlich“. Die Bahn habe „Pro- Privatisierungs-Propaganda“ durchführen lassen, befindet die PR-kritische Organisation Lobbycontrol.

Berlinpolis hatte im Mai, August, September und Oktober 2007 Umfragen veröffentlicht, die zu Bahn-freundlichen Ergebnissen kamen – zum einen zum Streik der Lokführer, zum anderen zur Bahnprivatisierung. Sie waren vom Institut Forsa durchgeführt worden und von vielen namhaften Medien aufgegriffen worden. Zudem hatte der Leiter von Berlinpolis, Daniel Dettling, in Meinungsartikeln für den Börsengang der Bahn geworben. „Die Bahnprivatisierung ist ein gelungenes Beispiel für einen Mix aus staatlicher Daseinsvorsorge und unternehmerischer Erfüllung“, schrieb Dettling etwa. Auch der Tagesspiegel druckte dies, ebenso das Magazin „Capital“ und die „Financial Times Deutschland“.

In einer Stellungnahme erklärte Dettling, die Verträge zwischen der Bahn und der Agentur EPPA nicht zu kennen. Auch habe Berlinpolis selbst die Fragen in den Meinungsumfragen formuliert, nicht die Bahn. Zudem habe man weder Leserbriefe, Beiträge in Online-Foren, Blog-Beiträge oder Medienbeiträge für die Webseite meinebahndeinebahn.de erstellt. Auf dieser waren 2007 Beiträge eingestellt, die eine Privatisierung der Bahn befürworteten. Allerdings tauchten entsprechende Leserbriefe und Beiträge auch auf anderen Seiten im Netz auf, etwa bei tagesspiegel.de, auf „tagesschau.de“ oder „stern.de“. Carsten Brönstrup

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