Wirtschaft : Bahnchef Mehdorn kritisiert Politik

Im Streit um den richtigen Wettbewerb auf der Schiene verhält sich die Politik nach Ansicht von Bahnchef Hartmut Mehdorn "nicht immer ehrlich und fair". Die Bahn sei zwar als Unternehmen "absolut bereit für den Wettbewerb", doch "die Politik geht noch zu unsorgfältig mit den Realitäten um", kritisierte Mehdorn am Montag in Stuttgart.

Die Bahn wolle freien Wettbewerb im Zugverkehr auf keinen Fall verhindern. "Wir haben überhaupt kein Problem mit Wettbewerb, aber die Bedingungen müssen dann vor allem von Seiten der Politik richtig formuliert sein." Es müsse europaweit Chancengleichheit für die Bahn geben - gegenüber der Straße wie gegenüber anderen Bahnen. Derzeit könnten unter anderem französische Betreiber mit Billiglöhnen von "A" nach "B" fahren und vor allem Fahrten auf deutschen Strecken anbieten, die Geld einbringen. "Aber wer die guten Strecken betreibt, der muss dann auch mal ein paar schlechte betreiben - und das macht die Bahn", sagte Mehdorn. Verliere die Bahn die guten Strecken gegen Wettbewerber auch aus dem Ausland, werde sie die weniger ökonomischen Verbindungen ebenfalls nicht mehr betreiben.

Als weitere Folge dieses Wettbewerbs könnte die Bahn gezwungen sein, auch die Ausbildung von Lehrlingen oder Lokomotivführern zu reduzieren und die kostspielige Bahnforschung zu beenden, warnte der Bahnchef. Denn wo die Bahn keine Geschäfte mehr mache, müsse sie sich als bislang größter Arbeitgeber, Ausbilder und Investor zurückziehen. Die Bahn arbeite heute mit knapp einem Drittel mehr Produktivität und 35 Prozent weniger Personal. Auch im Bereich Cargo seien Steigerungen von 30 Prozent erreicht worden. "Und wir sind noch lange nicht am Ziel", sagte Mehdorn.

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