Wirtschaft : Bahnfahren wird deutlich teurer

Ticketpreise im Fernverkehr steigen 2007 um 5,6 Prozent, im Nahverkehr um 3,9 Prozent / Gewerkschaften setzen Warnstreiks aus

Carsten Brönstrup

Berlin - Bahnfahrer müssen ab Januar mehr für ihr Ticket bezahlen. Fahrkarten im Fernverkehr kosten 5,6 Prozent mehr, im Regionalverkehr sind es 3,9 Prozent. Darin sei die steigende Mehrwertsteuer bereits enthalten, erklärte die Bahn am Dienstag in Berlin. Ohne den Steuer-Aufschlag verteuern sich Einzelfahrscheine und Zeitkarten im Schnitt um 2,9 Prozent. Das Unternehmen verwies zur Begründung auf gestiegene Energiekosten und kürzere Fahrzeiten. Im Tarifstreit zwischen dem Konzern und den Gewerkschaften ist derweil eine Einigung nahe.

Zuletzt hatte das Unternehmen die Preise im Dezember 2005 (plus 2,9 Prozent) und im Dezember 2004 (plus 3,1 Prozent) angehoben. Auch andere Angebote werden nun teurer: Am Schalter gekaufte Platzreservierungen kosten demnächst 3,50 statt 3 Euro. Die Preise für Ländertickets steigen um bis zu zwei Euro, das Schöne-Wochenende-Ticket verteuert sich um 3 auf 33 Euro. Der Zuschlag für die ICE-Sprinter wächst auf elf Euro. Bei den Bahncards schlägt der Staatskonzern nur die Mehrwertsteuer auf. Die Preise im Regionalverkehr müssen die Bundesländer noch genehmigen.

„Die Marktpreise für Strom, Öl und Diesel sind binnen eines Jahres um bis zu 40 Prozent gestiegen“, sagte Karl-Friedrich Rausch, Chef des Personenverkehrs. Zudem habe die Bahn die Zugtakte erhöht und die Fahrzeiten verkürzt, etwa auf den Strecken Berlin-Leipzig oder München-Nürnberg. Dafür habe man neue ICE-Züge für fast 800 Millionen Euro gekauft. Viele regionale Verkehrsverbünden verlangten zudem höhere Aufschläge als die Bahn. Insgesamt sei man auch nach der Anhebung erst auf dem Preisniveau von 2002 – die Steuererhöhung herausgerechnet. Damals hatte die Bahn im Zuge der Umstellung auf das neue Preissystem die Tarife im Schnitt gesenkt.

Verkehrsorganisationen kritisierten die Bahn. „Das ist nicht der richtige Weg“, sagte Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn dieser Zeitung. „Das zeigt, dass der Bund durch eine Trennung von Schienennetz und Bahnbetrieb für mehr Wettbewerb sorgen muss – nur dann sinken die Preise.“ Michael Gehrmann, Vorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland, sagte, der Konzern wolle angesichts des geplanten Börsengangs seine Bilanz „um jeden Preis verbessern“.

Im Tarifkonflikt um eine Beschäftigungssicherung für 130 000 Eisenbahner haben die Gewerkschaften derweil Warnstreiks abgesagt. Zusammen mit dem Bahn-Vorstand erzielten sie am Dienstag für zwei von drei derzeit diskutierten Modellen des geplanten Börsengangs eine Einigung über eine Stellengarantie bis 2010. Unklar ist sie noch bei dem Eigentumsmodell, das die Union favorisiert. Dabei behält der Bund bei der Privatisierung die Gleise und lässt sie dann von der Bahn bewirtschaften. Die Verantwortung für die Jobgarantie liege beim Eigentümer Bund, hieß es. Wie man Entlassungen verhindern könne, müsse die Bahn mit ihm klären, verlangten die Gewerkschaften.

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