Wirtschaft : Bahnkonkurrent Veolia fährt Verluste ein

Probleme mit der Nord-Ostsee-Bahn / Deutsche Tochter muss an die französische Mutter zahlen

Bernd Hops

Berlin - Veolia, der größte Konkurrent der Deutschen Bahn, hat massive Probleme mit dem hiesigen Geschäft. „Es gibt erhebliche rote Zahlen“, erfuhr der Tagesspiegel aus unternehmensnahen Kreisen. Bei einigen Verkehrsverträgen sei „nicht richtig kalkuliert“ worden. Vor allem die Nord-Ostsee-Bahn hat das Ergebnis nach Angaben von Insidern belastet. Zudem muss die hiesige Tochter mehr Geld an die Konzernzentrale in Paris überweisen. Im vergangenen Jahr sei der Betrag verdoppelt worden, heißt es in unternehmensnahen Kreisen. Es gehe „um einen ordentlichen Millionenbetrag“, der in Deutschland heute gar nicht erwirtschaftet werde. „Da fließt eine Menge Geld ab.“ Ein Unternehmenssprecher lehnte einen Kommentar ab. Stattdessen verwies er auf den Umsatz, der im vergangenen Jahr um mehr als ein Viertel auf 430 Millionen Euro gestiegen sei.

Die deutsche Veolia Verkehr – bis 2006 hieß die Gesellschaft noch Connex Verkehr – besteht inzwischen aus rund 40 Betrieben mit fast 4000 Beschäftigten. Unterhalten werden Zug-, Bus- und Straßenbahnverbindungen. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin. Von der Hauptstadt aus bietet das Unternehmen unter anderem Verbindungen nach Leipzig, Kostryn, Richtung Ostsee und in den Harz an. Für Aufsehen sorgte Veolia im vergangenen Jahr, als das Unternehmen den Stadtverkehr in Pforzheim übernahm und so das erste Mal in einer größeren Stadt erfolgreich war.

Doch gerade für das schnelle Wachstum von im Schnitt 20 Prozent pro Jahr muss Veolia offenbar einen hohen Preis zahlen. Der neue Geschäftsführer Axel Sondermann, seit Februar an der Spitze von Veolia Verkehr, will deshalb auch Angebote im Fernverkehr überprüfen. Veolia ist das einzige Unternehmen neben der Deutschen Bahn, das hierzulande Fernverbindungen per Zug (Interconnex) anbietet. In einem Interview mit einem Mitarbeitermagazin kündigte Sondermann an, man müsse sich etwa „die heutige Verbindung Berlin-Leipzig und künftige andere Strecken genau anschauen“. Außerdem wolle er mehr Gewicht auf den Busverkehr legen.

Der Wettbewerb um Aufträge der Bundesländer und Kommunen für Verkehrsverträge ist hart. Private Anbieter wie Veolia versuchen, dem Ex-Monopolisten Deutsche Bahn Marktanteile abzujagen. Das schaffen sie aber nur, wenn sie günstiger arbeiten als der Konzern unter Hartmut Mehdorn. Und die Länder sind daran interessiert, für möglichst wenig Geld ein möglichst umfangreiches Angebot einzukaufen – zumal der Bund, der jedes Jahr mehr als sechs Milliarden Euro dafür an die Länder überweist, seine Zahlungen drücken will. Die Bahn hatte noch vor wenigen Jahren große Probleme mit dem Schienenverkehr in der Region. Die Tochter DB Regio ist jedoch mittlerweile saniert und schreibt Gewinne.

Bei Veolia sieht es anders aus. In der Konzernbilanz für das vergangene Jahr buchte die französische Mutter Abschreibungen und außerordentliche Belastungen von insgesamt 86,5 Millionen Euro wegen Problemen mit „bestimmten Verträgen“ des deutschen Ablegers. Dadurch wurde fast der gesamte Betriebsgewinn der Veolia-Transportsparte aufgezehrt.

Im Wirtschaftsministerium von Schleswig-Holstein bestätigt man, dass Veolia bei der Nord-Ostsee-Bahn (NOB), die die westliche Hälfte des Landes versorgt, große Schwierigkeiten hatte. Im Dezember 2005 hatte die NOB auch den Betrieb auf der Strecke von Hamburg nach Westerland übernommen (Marschbahn). Es sei mehrere Monate zu großen Verspätungen und technischen Pannen bei den Zügen gekommen, sagte eine Ministeriumssprecherin. Das Land habe als Käufer der Verkehrsleistung deshalb eine Malusforderung in sechsstelliger Höhe gestellt. Mittlerweile habe sich die Lage normalisiert, sagte die Sprecherin. Veolia versuche nun allerdings, die Vertragskonditionen nachzuverhandeln. Das Unternehmen wolle einen Ausgleich für Mehrleistungen, die angeblich anfallen. „Das sehen wir aber anders“, sagte die Sprecherin.

Laut Branchenkreisen hatte Veolia den Aufwand bei der neuen Strecke vollkommen falsch eingeschätzt. Loks und Waggons passten nicht zusammen, die Triebwagen waren außerdem zu schwach. Die nötigen Anpassungen treiben die Betriebskosten nun in die Höhe. „Die Marschbahn ist ein Sanierungsfall – trotz hoher Fahrgastzahlen“, heißt es in unternehmensnahen Kreisen. „Hier hat sich Veolia schlichtweg verkalkuliert.“ Geschäftsführer Sondermann sagte dem Mitarbeitermagazin, er wolle „unseren Anteil am schwierigen Start der Marschbahn sorgfältig analysieren, damit uns so etwas nicht noch einmal passiert“. Ende April ist die Marschbahn Thema im Aufsichtsrat von Veolia.

Innerhalb des Konzerns steht der deutsche Ableger unter Druck. „Veolia Deutschland ist nicht so profitabel wie andere der weltweiten Töchter“, sagte ein Insider. „Die Margen sind wegen des regulierten Marktes vergleichsweise niedrig.“ Die Zentrale in Paris sieht so etwas ungern. Die dänische Tochter wurde vergangenes Jahr schnell abgestoßen, nachdem sie nicht die Zahlen lieferte, die man sich erhofft hatte.

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