Bahnstreik : Festgefahren

Die Lokführer wollen noch in dieser Woche streiken. Was kommt auf Bahnreisende zu?

Bernd Hops,Dagmar Rosenfeld
Bahn
Nichts geht mehr: Der Streik soll sich über mehrere Wochen hinziehen. -Foto: AFP

Wie ist die Bahn auf die Streiks vorbereitet?



Der Lokführerstreik wird sich wohl über mehrere Wochen hinziehen. Die Bahn rechnet bei einem längeren Streik damit, dass bis zu 28.000 Personenzüge und damit rund fünf Millionen Reisende betroffen wären. Die Bahn will unter anderem für zusätzliches Personal sorgen, indem Mitarbeiter aus der Verwaltung, die einen Lokführerschein haben, wieder für ihren alten Job reaktiviert werden. „Das geht nicht innerhalb von drei Tagen“, heißt es. Aber bei längeren Streiks könnte man so eine Reserve schaffen. Auch aus dem Ausland kann die Bahn mit Hilfe rechnen. So will die Belgische Bahn Lokführer nach Deutschland schicken. Unter der kostenlosen Hotline 0800-996633 oder online unter www.bahn.de können Reisende erfahren, ob ihre Verbindung betroffen ist.

Welche Möglichkeiten haben Passagiere, gebuchte Tickets umzutauschen?

Die Bahn hat eines bereits klar gestellt: „Einen Anspruch auf Entschädigung haben Bahnreisende im Fall eines Streiks nicht, ein Streik gilt als höhere Gewalt.“ Daher erhielten Kunden keine Verspätungsgutscheine, wenn Züge durch den Streik aufgehalten werden. Auch eine Erstattung von Hotel- oder Taxikosten sei ausgeschlossen. Diese Auslegung der Bahn sei durchaus vertretbar, „für Verbraucher sieht die Lage daher eher schlecht aus“, sagen Reiserechtsexperten wie Ansgar Staudinger von der Universität Bielefeld. Grundsätzlich könne auch eine Fluggesellschaft nicht haftbar gemacht werden, wenn ein Flugzeug wegen eines Fluglotsenstreiks am Boden bleiben muss. Die Schlichtungsstelle Mobilität hält diesen Vergleich jedoch für unzulässig, denn die Bahn könne einen Streik durchaus vermeiden. Sie empfiehlt Kunden daher, sich eine Zugverspätung oder einen Zugausfall schriftlich bestätigen zu lassen, um so möglicherweise eine Entschädigung einzufordern.

Wer schon jetzt wegen möglicher Streiks ein bereits gekauftes Zugticket zurückgeben möchte, dem erstattet die Bahn bis einen Tag vor Fahrtantritt den Kaufpreis. Ausgenommen von dieser Regelung sind Spartickets, sie können vor Fahrtantritt nur gegen eine Bearbeitungsgebühr zurückgegeben werden. Einen Tag früher oder später zu fahren, um dem Streik zu entgehen, ist bei Tickets mit Zugbindung nicht möglich. Fällt ein gebuchter Zug aus, so wird der Fahrpreis auch am Reisetag komplett erstattet – das gilt auch für Spartickets. Ansonsten kann die nächstmögliche Zugverbindung genutzt werden. Diese darf dann auch teurer sein als der eigentlich gebuchte Zug.

Wer mit der Bahn zum Flughafen reist, ist selbst dafür verantwortlich, rechtzeitig zu erscheinen, um den Flieger zu bekommen. Ausgenommen sind Pauschalreisen die mit Zug-Zubringer als Paket gebucht wurden. Hier haftet der Reiseveranstalter, wenn der Urlauber wegen des Streiks seine Maschine nicht erreicht.



Kann die Bahn von der Lokführergewerkschaft Schadenersatz fordern?

Am 10. Juli führte die GDL Warnstreiks durch, obwohl es dagegen eine einstweilige Verfügung eines Gerichts gab. Die Bahn spricht von Schäden in zweistelliger Millionenhöhe – und die wird der Konzern auch aller Voraussicht nach geltend machen. Bei den jetzt geplanten unbefristeten Streiks gibt es aber nur in NRW ein erstinstanzliches Urteil dagegen. Im übrigen Bundesgebiet und im Güterverkehr kann die GDL – zumindest bislang – streiken, ohne rechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen.

Was verdienen Lokführer?

Die Bruttogehälter der Lokführer in Deutschland liegen derzeit zwischen 1970 und 2200 Euro, je nach Berufsjahren und Familienstand. Ein 25-jähriger, kinderloser Lokführer mit zwei Berufsjahren zum Beispiel erhält nach Gewerkschaftsangaben zwischen 1438 und 1588 Euro netto (inklusive Zulagen). Ein 40-Jähriger mit zwei Kindern und 17 Jahren Berufserfahrung bekommt monatlich zwischen 1778 und 1928 Euro. Im Vergleich zu ihren westeuropäischen Kollegen ist der Verdienst deutscher Lokführer gering. So erhält ein 25-Jähriger Lokführer, ohne Kinder und mit zweijähriger Berufserfahrung in Frankreich im Schnitt einen Monatsnettolohn von 2770 Euro, in Spanien sind es 2650 Euro, in der Schweiz bis zu 3157 Euro und in den Niederlanden 1820 Euro.

Im Vergleich zu ihren deutschen Mitbewerbern, so argumentiert die Bahn, zahle sie allerdings mit die höchsten Gehälter. Die Verkehrsgruppe CSN Veolia zahle Lokführern knapp 25 Prozent weniger als die Bahn AG, heißt es. Eine Veolia-Sprecherin sagte dazu, die Zahl sei so nicht haltbar. Jede der rund 40 Tochtergesellschaften habe eigene Haustarifverträge. Daher sei ein Gehaltsvergleich nicht möglich.

Steht das Gehalt der Lokführer im Verhältnis zu Aufwand und Dauer der Ausbildung?

In der derzeitigen Debatte wird der Beruf des Lokführers gerne mit dem des Piloten verglichen. Bei dieser Argumentation wird allerdings außer Acht gelassen, dass die Ausbildung des Piloten wesentlich zeit- und vor allem kostenintensiver ist. So kostet die Pilotenausbildung mehr als 100 000 Euro, die die Auszubildenden zum Teil selbst tragen müssen. Für den Beruf des Lokführers wird im Allgemeinen ein Realschulabschluss vorausgesetzt, aber auch Hauptschüler, die eine technische Ausbildung haben werden genommen. Die Lehre dauert drei Jahre, zuzüglich Weiterbildungen.

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