Bahnstreik : Lokführergewerkschaft: Kein Streik bis Donnerstag

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer will das Gesprächsangebot von Bahnchef Hartmut Mehdorn für Donnerstag annehmen und bis dahin nicht zu neuen Warnstreiks aufrufen.

BerlinDie Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) wird bis einschließlich Donnerstag nicht zu neuen Warnstreiks aufrufen. Das sagte GDL-Sprecherin Gerda Seibert in Frankfurt. Die GDL nehme ein Gesprächsangebot von Bahnchef Hartmut Mehdorn für Donnerstag an. Bis dahin verzichte man auf Aktionen.

Die Gewerkschaften Transnet und GDBA hatten bis Dienstagnachmittag noch nicht entschieden, ob sie ihre Warnstreiks am Mittwoch fortsetzen werden oder nicht.

Zu dem Treffen am Donnerstag mit Mehdorn sind auch Transnet und GDBA eingeladen, die bereits Tarifverhandlungen mit der Bahn geführt haben. Der GDBA-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel sagte: "Wir werden an diesem Gespräch teilnehmen und unsere Zusage liegt vor." Die GDL hat mit der Bahn bislang noch keine Verhandlungen über ihre Forderung nach einem eigenständigen Tarifvertrag für Lokführer und Zugbegleiter geführt.

Der GDL-Vorsitzende Manfred Schell sagte im Bayerischen Rundfunk: "Wenn wir ein vernünftiges Gespräch führen und das Gespräch anschließend in Tarifverhandlungen übergeht, dann haben die Kunden nichts zu befürchten. Dann hat dieser eine Tag heute ausgereicht, um uns auf einem Weg zu befinden, der Arbeitskämpfe dann ausschließen würde."

Bahnchef Hartmut Mehdorn hat die drei Bahngewerkschaften für diesen Donnerstag zu einer Gesprächsrunde eingeladen. Transnet, GDBA und Lokführergewerkschaft GDL sollten an den Verhandlungstisch zurückkehren und die Streiks einstellen, sagte Mehdorn in Berlin. Er hoffe, dass die Gewerkschaften "vernünftig und fair genug" seien, seine Einladung anzunehmen.

Mehdorn bezeichnete die Warnstreiks vom Montag und Dienstag als "völlig unverständlich und inakzeptabel" in einer solch frühen Phase der Verhandlungen. Die Fahrgäste dürften jetzt nicht länger abgestraft werden. Nach seinen Worten kosten die Warnstreiks das Unternehmen jeden Tag einen "zweistelligen Millionenbetrag".

GDL-Forderungen "irrwitzig"

Über ein mögliches neues Tarifangebot sagte Mehdorn nichts. Er lehnte es allerdings noch einmal ab, über einen gesonderten Tarifvertrag für das Fahrpersonal zu sprechen, so wie das die GDL verlangt. Die von der GDL geforderte Einkommenserhöhung von bis zu 31 Prozent nannte der Bahnchef "irrwitzig".

Nach dem flächendeckenden Lokführerstreik am Morgen rollen die Züge in Deutschland wieder. Allerdings sei noch bis zum Nachmittag mit Verspätungen zu rechnen, sagte ein Bahnsprecher in Berlin. Er wies darauf hin, dass die Gewerkschaften Transnet und GDBA weitere Aktionen im Lauf des Tages angekündigt hätten.

Beim vierstündigen Warnstreik der Lokomotivführer war das befürchtete Chaos ausgeblieben. In weiten Teilen Deutschlands ist der Bahnverkehr zum Erliegen gekommen. In Nord- und Ostdeutschland, in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg fuhr kaum noch ein Zug. Der S-Bahn-Verkehr ruhte in Berlin und Stuttgart, Behinderungen gab es auch rund um Frankfurt am Main und München. Das befürchtete Chaos auf den Bahnhöfen blieb nach einem ersten Überblick aus. Nach der Warnstreik-Ankündigung am Vortag waren offensichtlich viele Pendler auf U-Bahnen, Busse, das eigene Auto oder Fahrrad umgestiegen.

Nur einer von zehn Zügen fuhr

Am Frankfurter Hauptbahnhof fielen zahlreiche Züge im Regional- und Fernverkehr aus oder hatten Verspätungen bis zu weit über einer Stunde. Im Rhein-Main-Gebiet war am stärksten die S-Bahn betroffen. Hier fuhr nach Angaben der Bahn nur einer von zehn Zügen. Ein Bahnsprecher in Nordrhein-Westfalen berichtete: "In den großen Hauptbahnhöfen Düsseldorf, Köln, Dortmund, Duisburg und Wuppertal bewegt sich nichts mehr."

Der GDBA-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel verteidigte die Forderungen von GDBA und Transnet nach 7,0 Prozent mehr Lohn oder mindestens 150 Euro im Monat für jeden Beschäftigten. Ein Zugbegleiter verdiene beispielsweise 2000 Euro im Monat. Die Forderungen seien angesichts der positiven Unternehmensentwicklung im vergangenen und in diesem Jahr gerechtfertigt. (mit dpa)

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