Wirtschaft : Bahntechnik-Konzerne: Fusion von Bombardier und Adtranz unsicher

kas/chi

Der geplante Verkauf der Daimler-Chrysler-Schienenfahrzeugtochter Adtranz an den kanadischen Bombardier-Konzern stößt auf größere Schwierigkeiten als erwartet. Wie aus Unternehmenskreisen verlautete, müssen die Verhandlungspartner nicht nur mit Auflagen der Wettbewerbsbehörden in Brüssel rechnen. Unklar sei auch, ob Adtranz schon in diesem Jahr wie angekündigt "eine schwarze Null" erreichen wird. Durch Pannen bei einigen Aufträgen, unter anderem in Norwegen, seien neue Risiken aufgetaucht, die das Ergebnis belasten könnten. "Es ist deshalb nicht auszuschließen, dass nochmal neu verhandelt werden muss", hieß es. Für Verärgerung bei Bombardier habe aber auch die Entscheidung von Daimler-Chrysler gesorgt, Adtranz-Vorstandschef Rolf Eckrodt schon jetzt als Sanierer zu Mitsubishi nach Tokio zu entsenden.

Der Daimler-Chrysler-Konzern hatte Anfang August mitgeteilt, seine verlustreiche Bahntechnik-Tochter Adtranz für 725 Millionen US-Dollar, gut 1,5 Milliarden Mark, an Bombardier zu verkaufen. Damit entsteht der mit Abstand größte Bahntechnik-Konzern der Welt mit knapp 40 000 Beschäftigten und einem Umsatz von rund zehn Milliarden Mark. Überschneidungen aber gibt es vor allem in Deutschland, wo Bombardier Anfang 1999 die Deutsche Waggonbau (DWA) übernommen hat. In einigen Teilbereichen, etwa bei Straßenbahnen oder Regionalzügen, ist deshalb nicht auszuschließen, dass die Kartellbehörden eine marktbeherrschende Stellung monieren. Dies könnte das Verfahren weiter verzögern.

Jean-Yves Leblanc, Chef von Bombardier Transportation, zeigte sich am Dienstag auf der Branchenmesse Innotrans in Berlin, gleichwohl zuversichtlich. Bombardier rechne bei der Übernahme nicht mit größeren Auflagen der EU-Wettbewerbshüter. Die formelle Anmeldung in Brüssel werde Ende September erfolgen. Bestenfalls könne die Übernahme dann in vier bis sechs Wochen vollzogen werden. Schlimmstenfalls dauere es dann noch bis zu vier Monate für den endgültigen Vollzug. Leblanc betonte zugleich, dass Bombardier an der Übernahme von Adtranz großes Interesse habe. Der Konzern wolle eine Spitzenposition im Schienenfahrzeuggeschäft halten.

Wie Leblanc sagte, werde der Konzern voraussichtlich auch die Sparte Signaltechnik von Adtranz übernehmen, nachdem für diesen Bereich bislang kein Käufer gefunden werden konnte. Ob Bombardier die Sparte auf Dauer behalten und ausbauen werde, ließ er offen. Auch zu möglichen Standortschließungen wollte sich Leblanc nicht äußern. Es gebe noch keinerlei konkrete Pläne, sagte er. So lange die Genehmigung der Wettbewerbshüter nicht erteilt sei, machten die Unternehmen weiter wie bisher.

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