Wirtschaft : Baisse ohne Chance an der russischen Börse - der Index stürzte um 17 Prozent (Kommentar)

Jobst-Hinrich Wiskow

Ruck, zuck ging das - da verlor der russische Börsenindex am Montag in kürzester Zeit 17 Prozent. Investoren müssen eine gehörige Portion Nervenstärke mitbringen, wenn sie im Lande Boris Jelzins Geld mit Gewinn anlegen wollen. Die Entscheidungen des Präsidenten sind kaum berechenbar, aber sie gehen sofort in die Kurse von Aktien und Rubel. Weil sie so überraschend kommen, sorgen sie für enorme Schwankungen. X-fach finden sich in den vergangenen zwei Jahren Auf- und Abschwünge von zehn, ja 15 Prozent im Vergleich zum Vortag.

Gewiss hat mancher Aktionär zwischenzeitlich viel Geld am Aktienmarkt an der Moskwa verdient. Nur weist die Tendenz insgesamt leider deutlich nach unten. Mancher Gewinn unterscheidet sich deswegen nicht von einem Glücksspiel im Kasino. Selbst wichtige Aktien - etwa jene vom Gasproduzenten Gazprom - garantieren keineswegs Substanz. Verluste in hierzulande unüblichem Ausmaß sind für die Zukunft so wenig auszuschließen, wie sie in den vergangenen Jahren zu vermeiden waren. Zur Erinnerung: Der wegweisende RTS-Index, der am Montag zunächst bis auf 90 Punkte einbrach, stand im Oktober 1997 mal bei 571 Zählern.

Was ist mit dem Zusammenhang zwischen Risiko und Chance? Schließlich wissen die Experten immer zu berichten, nur wer etwas wage, könne am Ende auch ordentlich gewinnen. Trotzdem: Russland ist derzeit die gefährlichste Region für Geldanlage, und russische Aktien sind absolut nichts für Kleinanleger. Wer spekulieren will, hat ohnehin genug Auswahl: Erholt sich die japanische Börse? Kommt der Neue Markt wieder auf die Beine? Ist die Baisse der US-Internet-Aktien bald vorbei? Risiko plus Chance - ohne Boris Jelzin.

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