Wirtschaft : Bald gehört Peking zum Westen (Kommentar)

Jobst-Hinrich Wiskow

BASF investiert mehrere Mrd. DM in China. Nach Ludwigshafen und Antwerpen wird das bisher wenig bekannte Nanjing der drittgrößte Standort des Konzerns. Dort produziert BASF vor allem für den chinesischen Markt. Dass deutsche und europäische Unternehmen die Nähe zu den Kunden anderer Kontinente finden, gehört zum Phänomen der Globalisierung. Daran ist man gewöhnt - und vielleicht mehr oder minder überzeugt, dass keine Arbeitsplätze in der Heimat der Firmen verloren gehen, sondern neue Märkte und Chancen locken.

Doch auch wenn China gewiss ein gigantischer Markt ist, den es für Unternehmer zu entdecken gilt: Ist China mit Indien, Russland oder Brasilien? Noch erinnert sich jeder mit Grausen an die Bilder des Jahres 1989 aus Peking. Damals beendeten Panzer den Protest junger Chinesen auf dem Tiananmen-Platz. Auch zehn Jahre danach ist China ein sozialistischer Terrorstaat, in dem Menschenrechte und Umweltschutz kaum zählen. Macht sich BASF nun schuldig, wenn es dieses System unterstützt, indem es investiert?

Ganz im Gegenteil. Schließlich exportiert es auf diese Weise westliche Werte nach China. Ob man die nun für kritikwürdig hält oder nicht: Klar ist, dass diese Werte des Kapitalismus ziemlich schnell den durchschnittlichen Wohlstand erhöhen - und bald darauf sogar für Demokratie sorgen dürften. Wer im Betrieb oder im Supermarkt entscheidet, was er will, läßt sich davon auch in der Politik nicht lange abhalten. Kein noch so starres Regime kann diesen Motor stoppen - sogar in China nicht.

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