Bald neu auf dem Parkett? : Schneekoppe – die Börse ruft

Das Traditionsunternehmen Schneekoppe stellt sich neu auf. Eine Unternehmensanleihe soll für das nötige Kapital sorgen.

Stephanie Kirchner
Vor dem Aus. Diabetikerprodukte Foto: Vario Foto: Marija Kasalo / vario images
Vor dem Aus. Diabetikerprodukte Foto: VarioFoto: Marija Kasalo / vario images

Berlin – „Schneeeeeeeeekoppe!“ Der gellende Ruf hat sich in das Bewusstsein vieler Verbraucher eingebrannt. In den letzten Jahren war es jedoch eher ruhig geworden um den wohl bekanntesten Hersteller von Diabetikerprodukten in Deutschland. Nun will sich Schneekoppe neu positionieren, und eine Unternehmensanleihe soll dabei helfen.

Schon seit Montag vergangener Woche läuft der Verkauf der Anleihe, mit der Schneekoppe bislang rund fünf Millionen Euro Kapital eingesammelt hat. Eine weitere Million soll der Verkauf vor dem Ende der ersten Zeichnungsfrist noch einbringen. Zudem hält sich das Unternehmen die Möglichkeit offen, weitere Anleihen im Wert von vier Millionen auf den Markt zu bringen, sagt Sprecher Ingo Janssen. Die aktuelle Anleihe läuft über fünf Jahre und bringt 6,45 Prozent Zinsen. Die Herausgabe der Anleihen sei auch ein „Testlauf, wie der Kapitalmarkt Schneekoppe aufnimmt“, sagt Janssen. Schneekoppe will im nächsten Jahr an die Börse gehen, und die Anleihenzeichner sollen dann pro Anlagenanteil vier Aktien bevorzugt zugeteilt bekommen.

Die Marke sei „etwas angestaubt und wenig gepflegt gewesen“, als vor drei Jahren Gerald Wagener 74,1 Prozent von Schneekoppe übernommen hatte. Der neue Vorstand habe das Unternehmen jedoch komplett umgekrempelt, da sei „kein Stein auf dem anderen geblieben“, berichtet Janssen. Im letzten Jahr landete Schneekoppe dennoch mit knapp 200 000 Euro in den roten Zahlen und musste mit einem Umsatz von 28,4 Millionen einen Rückgang von 10,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnen. Außerdem war die Firma durch die schon seit längerem geplante Änderung der Diätverordnung unter Druck geraten.

Am Freitag billigte der Bundesrat, dass spezielle Diabetikerprodukte nicht mehr als solche gekennzeichnet werden dürfen. Für die Anbieter ist das von Nachteil, und Schneekoppe ist als deutscher Marktführer für solche Lebensmittel von der Neuerung besonders stark betroffen. Man habe deshalb frühzeitig einen „Anpassungsprozess“ in Gang gesetzt und das Diabetikersortiment verkleinert, erklärt Janssen. Der Anteil an Diabetikerprodukten soll künftig nur noch 23 Prozent des Kernsortiments ausmachen.

Stattdessen will die Firma sich verstärkt auf Nahrungsergänzungsmittel konzentrieren, die in Apotheken vertrieben werden. Für die hauseigene Energieprodukte-Serie hat man den Rennfahrer Michael Schumacher als Werbeträger verpflichtet. Insgesamt vertreibt das Unternehmen 140 verschiedene Produkte. Rund zwei Drittel des Umsatzes macht Schneekoppe in Deutschland. Die nötige Liquidität für Marketing und Platzierung der neuen Produkte soll durch die Erlöse der Anleihen geschaffen werden. Gleichzeitig will sich Schneekoppe von den Banken unabhängig machen. 2,5 Millionen Euro wird das Unternehmen zur Umfinanzierung von Bankdarlehen aufwenden.

Die neue Anleihe wird vor allem von Privatanlegern gekauft. Die Verzinsung sei gut, meint Peter Lischke, Anlageexperte der Verbraucherzentrale Berlin. Er weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass die hohe Verzinsung auch eine Risikoprämie sei: „Unternehmensanleihen sind nicht durch Einlagesicherungssysteme abgesichert.“ Stephanie Kirchner

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