Balkan : Wirtschaftsaufschwung in Kroatien und Serbien

Die Konjunktur von Serbien und Kroatien, den größten Teilrepubliken des früheren Jugoslawiens, zieht immer mehr ausländische Investoren an. Gleichzeitig entstehen trotz Privatisierungen von Staatsbetrieben neue Arbeitsplätze.

Belgrad/Zagreb Einheimische Medien vergleichen die kroatischen Erfolge als "Wiederholung des irischen Wunders" oder berichten von Serbien als einem neuen "Tiger auf dem Balkan". Auch ausländische Geschäftsleute und Wirtschaftsvertreter in beiden Staaten teilen diesen Optimismus, obwohl sie, aus eigener Erfahrung, auch auf Mängel der beiden Standorte hinweisen.

Die kroatische Wirtschaft wächst um sieben Prozent jährlich, die Inflationsrate beträgt 2,1 Prozent und ausländische Firmen haben seit 1993 über zehn Milliarden Euro investiert, davon 1,2 Milliarden allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres. Die größten Investoren kommen aus Österreich und Deutschland.

Hohe Auslandsinvestitionen

Vom Tourismus erwartet die Adriarepublik bis Jahresende 6,8 Milliarden Euro. Auch die Zagreber Börse verzeichnet ein 56- prozentiges Wachstum, Aktien führender Bauunternehmen haben ihren Wert verdoppelt. Andererseits ist die Arbeitslosenzahl weiterhin hoch: 16 Prozent in Kroatien und sogar 21 Prozent im größeren Serbien. Kroatien plagt auch eine hohe Auslandsverschuldung von 30 Milliarden Euro.

Ausländische Investoren haben allein 2006 rund vier Milliarden Euro in Serbien investiert. Die Wirtschaft soll in diesem Jahr um etwa sechs Prozent wachsen. Die auf sechs Prozent geplante Inflationsrate wird, nach einer Teuerungswelle Anfang September, allerdings um einige Prozentpunkte steigen, warnen Finanzexperten.

Deutsche Unternehmer: Bekämpfung der Korruption muss sich verstärken

Deutsche Unternehmer in Kroatien nennen als Missstände: Korruption, fehlende Transparenz bei öffentlichen Ausschreibungen, eine uneffiziente Verwaltung und unflexible arbeitsrechtliche Regelungen. Kroatien, dass ungeduldig auf die EU-Mitgliedschaft wartet, verspricht baldige Verbesserungen.

Geschäftsleute aus Deutschland stoßen in Serbien auf die gleichen Hindernisse, wie aus einer Umfrage der Deutschen Wirtschaftsvereinigung in Belgrad hervorgeht. Sie sehen aber noch andere Probleme: Serbien benötigt politische Stabilität und Rechtssicherheit, Korruption und Kriminalität müssen bekämpft werden.

Die politische Stabilität und Zukunft Serbiens hängt zudem von der Lösung der Kosovo-Frage ab. Eine von der EU unterstützte Unabhängigkeit der Provinz würde "Konsequenzen" für die Beziehungen mit der EU haben, warnt Ministerpräsident Vojislav Kostunica. Und den Preis dieser "Konsequenzen" werden die Bürger in Serbien zahlen müssen, warnen kritische Experten. (mit dpa)

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