Wirtschaft : Bananenstreit zwischen USA und EU eskaliert

BRÜSSEL/GENF (AFP).Angesichts eines drohenden Handelskrieges um Bananeneinfuhren hat die EU-Kommission US-Präsident Bill Clinton zum persönlichen Eingreifen aufgefordert.Kommissionspräsident Jacques Santer warnte in einem Schreiben vor "schwerem Schaden" in den transatlantischen Beziehungen, wie ein Sprecher der Brüsseler Behörde am Mittwoch mitteilte.Durch ein "einseitiges Vorgehen" würde Washington auch das System der Welthandelsorganisation (WTO) ernsthaft schädigen.Wegen der umstrittenen europäischen Bananenmarktordnung und der Handelsbeschränkungen für sogenannte Dollar-Bananen aus Lateinamerika drohen die USA den Europäern mit Strafzöllen von hundert Prozent auf eine ganze Reihe von Produkten.

Kein Mitglied der WTO habe das Recht, einseitig über die Einhaltung der WTO-Regeln durch andere zu urteilen, betonte Santer.Der Kommissionspräsident kündigte an, daß die EU ihrerseits ein "schnelles Verfahren" bei der WTO anstrengen wolle, sollten die USA nicht Abstand von den Strafzöllen nehmen.Die WTO betonte am Mittwoch, für die Beilegung des eskalierenden Handelsstreits sei sie zuständig."Beide Parteien können und sollten diese Angelegenheit bald beilegen, und die Lösung des Problems ist in den WTO-Regeln zu finden", erklärte WTO-Generaldirektor Renato Ruggiero.

Der Kommission zufolge würden die von den USA angekündigten Strafmaßnahmen die europäischen Produkte mit umgerechnet 2,6 Mrd.DM belasten.Die Sanktionsliste reicht von französischem Wein über Kaffeemaschinen bis hin zu Kugelschreibern.Die USA selbst gaben die Höhe der Strafzölle mit rund 1,6 Mrd.DM an.Diese Summe entgehe US-Bananenexporteuren jährlich durch die Handelsbeschränkungen der EU.Die Sanktionen sollen am 1.Februar nächsten Jahres in Kraft treten, falls Brüssel nicht einlenkt.

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