Banco Santander : Feldzug in Amerika

Ralph Schulze

Während die globale Finanzwelt wankt, knallen in Spaniens Großbank Santander die Sektkorken. Die Bank ist in der Krise in die Top Ten der weltgrößten Institute aufgerückt. Sie zeigt, wie man aus der Krise Kapital schlägt. Jüngstes Schnäppchen ist die Übernahme der größten Sparkasse der USA, der angeschlagenen Sovereign Bancorp, an der die Santander bisher knapp 25 Prozent hielt. Nachdem der Sovereign-Börsenkurs dramatisch gefallen war, griff Santander-Chef Emilio Botin zu: Genau 3,81 Dollar zahlt er pro Aktie, die ihn vor drei Jahren, als er bei Sovereign eingestiegen war, noch 27 Dollar gekostet hatte. Zum Ausverkaufspreis von 1,9 Milliarden Dollar ebnete sich Europas erfolgreichster Banker den Weg für seinen Eroberungsfeldzug in Nordamerika. Dort rechnen sich die Spanier gute Geschäfte aus unter der stark wachsenden Bevölkerung der „Hispanics“. Doch zunächst will der 74-jährige Botin, dessen Urgroßvater, Großvater und Vater schon die Santander-Geschicke leiteten, die hoch verschuldete Sovereign sanieren. Botin ist sicher, dass er auch diesen Brocken schlucken kann.

Einen Rekordgewinn von zehn Milliarden Euro verspricht er im Geschäftsjahr 2008. Bis Ende September verdiente Santander knapp sieben Milliarden – 5,5 Prozent mehr als im Vorjahr. „Wir sind stark und optimistisch“, sagte Vizechef Alfredo Saenz. Erst Ende September hatte Santander für 770 Millionen Euro die britische Hypothekenbank Bradford & Bingley übernommen. Kurz zuvor schluckte sie für 1,6 Milliarden das britische Institut Alliance & Leicester. Zukäufe, die mit der britischen Santander-Tochter Abbey verschmelzen. Nun sind die Spanier drittgrößte Macht auf dem britischen Bankenmarkt. Auch in Deutschland ist man mit der Santander Consumer Bank im Geschäft. „Wenn man ein Finanzprodukt nicht perfekt kennt”, lautet Botins goldene Regeln, „sollte man es besser nicht kaufen.“ Bisher ist er damit gut gefahren.

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