Wirtschaft : Bange Blicke auf China

Experten befürchten ein Ende des Aktienbooms

Peking - Ist die Party vorüber? Bis Anfang August hatten Chinas Börsen in diesem Jahr um mehr als 80 Prozent zugelegt – ein Lichtblick in der düsteren globalen Wirtschaftskrise. Allerdings war nicht etwa Vertrauen in die chinesische Wirtschaft der Hauptmotor, sondern die massive Ausweitung der Kreditvergabe, also Liquidität und Spekulation.

Zusätzlich zu dem vier Billionen Yuan (400 Milliarden Euro) umfassenden staatlichen Konjunkturprogramm haben Chinas Banken unter politischem Druck in den ersten sieben Monaten weitere 792 Milliarden Euro an Krediten vergeben. Ein Teil floss gleichwohl in die Aktien- und Immobilienmärkte und bescherte ihnen einen unerwarteten Boom. Jetzt droht die Blase zu platzen. Viele Anleger realisieren, dass langfristig nicht mehr so viel Geld in die Wirtschaft gepumpt wird. Die Vergabe neuer Kredite fiel im Juli schon von 1,53 Billionen Yuan im Vormonat auf nur noch 355 Milliarden. Amtliche Medien berichteten am Montag, dass im August entgegen den Erwartungen von 400 Milliarden nur noch weniger als 300 Milliarden Yuan an neuen Krediten vergeben werden. Eine weitere schlechte Nachricht: Die Gewinne der in Schanghai gelisteten Unternehmen sind in der ersten Jahreshälfte um 14,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gefallen.

Analysten schienen sich lange einig, dass die Regierung die Märkte nicht einfach abstürzen lassen würde. So wird seit Wochen davon ausgegangen, dass die Party nicht vorbei ist, weil die Volksrepublik in einem Monat mit viel Pomp ihren 60. Gründungstag feiern will. Ein Platzen der Aktienblase würde die Geburtstagsfeier am 1. Oktober verderben. dpa

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