Bank : Milliardenminus bei der Citigroup

Die US-Bank Citigroup bezahlt teuer für staatliche Unterstützung – der befürchtete Schock für die Börse bleibt aber aus.

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Vom Finanzinvestor zum Staatsbanker. Citigroup-Chef Vikram Pandit setzt sich heute für mehr Regulierung ein. Foto: AFPGETTY IMAGES NORTH AMERICA

Berlin - Citigroup, einst größte Bank der Welt, hat die Folgen der Finanzkrise noch nicht überwunden. Ende 2009 machte die US-Bank, die zum Teil verstaatlicht werden musste, einen Verlust von 7,6 Milliarden Dollar (5,3 Milliarden Euro). Das waren zwar rund zehn Milliarden Dollar weniger als im vierten Quartal 2008. Zu schaffen machten dem Finanzkonzern aber Kreditausfälle sowie 6,2 Milliarden Dollar Gebühren und Zinsen im Zusammenhang mit der Rückzahlung der Staatshilfen. Citigroup gehört noch zu 27 Prozent der US-Regierung, die die Bank mit insgesamt 45 Milliarden Dollar vor dem Zusammenbruch retten musste. Damit ist das Geldhaus, früher ein Global Player bei riskanten Finanzgeschäften, einer der großen Verlierer der Krise.

Dank einer radikalen Schrumpfkur, die 52 000 Beschäftigte den Job kostete, steht die Bank inzwischen wieder auf solideren Fundamenten. Die Erlöse aus diversen Beteiligungsverkäufen ließen den Verlust 2009 auf 1,6 Milliarden Dollar schrumpfen. Das entsprach etwa den Erwartungen der Analysten; entsprechend moderat fiel die Reaktion der Börse aus. Citigroup-Aktien verloren nur leicht, andere Bankenpapiere drehten sogar ins Plus, ebenso der Dax. Die Bank bezifferte die Rückstellungen für faule Kredite und andere Verluste im vierten Quartal mit 8,2 Milliarden Dollar – das sind 36 Prozent weniger im Vergleich zum Vorjahr.

Nach Angaben von Vorstandschef Vikram Pandit ist die US-Großbank heute um ein Viertel kleiner als bei seinem Amtsantritt im Jahr 2007. Pandit sieht das Institut jetzt besser aufgestellt: „Wir starten gut kapitalisiert in das Jahr 2010“, sagte er am Dienstag. Der indischstämmige Banker, der einst einen Hedgefonds gegründet hat, ist – wohl auch unter dem Druck seiner staatlichen Aktionäre – ins Lager der Befürworter einer stärkeren Regulierung der globalen Finanzindustrie gewechselt. Medienberichten zufolge hat Pandit zudem die Vergütung der Top-Manager eingefroren. So sollen die Barzahlungen für 2009 auf 100 000 Dollar pro Citigroup-Mitarbeiter begrenzt werden. Wer zusätzlich Aktienoptionen erhält, kann sie erst in einigen Jahren zu Geld machen.

Die Orientierung der Managervergütung an längerfristigen Zielen ist ein Ergebnis der politischen Vorgaben für die Branche. Auch die Deutsche Bank reagiert darauf. Sie will nach „Handelsblatt“-Informationen ihre Grundgehälter weltweit anheben und gleichzeitig die Boni kürzen. Die Gesamtbezüge sollen in der Summe nicht steigen.

Die Zahlen der Citigroup wurden von Analysten am Dienstag skeptisch bewertet. „Ich weiß nicht, was mich dazu veranlassen sollte, in Citigroup zu investieren“, sagte Walter Todd, Portfoliomanager bei Greenwood Capital Associates.

Sein Kollege Joe Saluzzi von Themis Trading befand: „Letztlich müssen die Leute zur Realität zurückkehren und verstehen, dass die staatliche Hilfe nicht ewig anhalten wird, und dass diese Banken mit einem neuen Geschäftsmodell auf eigenen Beinen stehen müssen.“

Citigroup-Rivale JPMorgan Chase hatte in der vergangenen Woche einen Gewinn von 3,3 Milliarden Dollar ausgewiesen. Am heutigen Mittwoch öffnen Morgan Stanley und die Bank of America ihre Bücher, am Donnerstag folgt Goldman Sachs.

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