Bank-Skandal : Ex-Chef der HSH Nordbank löst WestLB-Boss ab

Fristlos gekündigt: Wegen Fehlspekulationen von fast 250 Millionen Euro muss Bankchef Thomas Fischer seinen Hut nehmen. Die Nachfolge ist bereits geregelt - der Ex-Chef der HSH Nordbank Stuhlmann übernimmt die Führung der drittgrößten Landesbank Deutschlands.

Alexander Stuhlmann
Alexander Stuhlmann löst Bankchef Fischer bei der WestLB ab. -Foto: dpa

DüsseldorfIn der Affäre um geplatzte Aktienspekulationen bei der drittgrößten Landesbank Deutschlands wird Bank-Chef Thomas Fischer fristlos entlassen. Das teilte ein Sprecher der WestLB nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung mit. Auch der Risikovorstand Matthijs van den Adel muss gehen.

Für Fischer steht bereits ein Nachfolger parat. Der Ex-Chef der HSH Nordbank, Alexander Stuhlmann, übernimmt den Posten. "Wir haben genau den richtigen Mann gefunden, um die Bank in ruhiges Fahrwasser zu führen", so WestLB-Aufsichtsratschef Rolf Gerlach. Stuhlmann hatte die HSH Nordbank Anfang des Jahres verlassen, nachdem der private Investor Christopher Flowers bei der Landesbank eingestiegen war.

Fast 250 Millionen Euro Verlust

Offenbar haben Börsenhändler der Bank jahrelang Aktienkurse manipuliert, um auf dem Papier hohe Gewinne für die Bank zu erzielen und damit ihre Bonuszahlungen zu sichern. Die Auflösung dieser gewaltigen Aktienpositionen hatte der Landesbank bereits im ersten Halbjahr einen Verlust von 243 Millionen Euro beschert.

Die Finanzaufsicht wirft dem Vorstand der drittgrößten Landesbank vor, dem Aufsichtsrat entscheidende Informationen zu den riskanten Aktiengeschäften der Bank verschwiegen zu haben. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) stützt sich dabei auf ein von ihr in Auftrag gegebenes Gutachten der Wirtschaftsprüfer von KPMG. Berichten zufolge hat Deutschlands oberster Finanzaufseher, Jochen Sanio, daher auf eine Ablösung Fischers gedrungen.

Experte fordert Reform

Angesichts der Affäre um die WestLB forderte der Bankenexperte der Universität Hohenheim, Hans-Peter Burghof, die Kontrolle der öffentlich-rechtlichen Landesbanken zu reformieren. "In ihren Aufsichtsgremien sitzen vor allem Bürgermeister, Sparkassendirektoren und Landespolitiker - alles honorige Menschen, die aber mit den sich hier aufstellenden Fragestellungen oftmals überfordert sein dürften", monierte der Wissenschaftler. Im schlimmsten Fall missbrauchten sie die Landesbank sogar für parteipolitische Interessen, erklärte Burghof. Er forderte "externe Kompetenz und Kontrolle". Bei der WestLB habe die mangelnde Kontrolle dazu geführt, dass die Mitarbeiter vor allem ihre eigenen Interessen verfolgt hätten.

Mit der jetzigen Affäre ist die WestLB erneut mit Fehlspekulationen in die Negativschlagzeilen gerutscht. 2003 hatte sich die Bank mit riskanten Krediten an den britischen TV-Verleiher Boxclever verhoben, was die WestLB tief in die roten Zahlen gestürzt hatte. Daraufhin musste der damalige Bankchef Jürgen Sengera seinen Posten räumen. Dass die WestLB die Probleme damals nur schleppend eingestehen wollte, ließ sie immer tiefer in eine Krise rutschen, aus der sich das Institut gerade erholt hatte. (mit dpa/AFP)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben