Wirtschaft : "Bankaktien werden auch in Zukunft sehr stabil bleiben"

Mit der Hypovereinsbank und der künftigen neuen Bankgesellschaft Berlin formieren sich neue Finanzriesen, die den großen drei - Deutsche Bank, Dresdner Bank und Commerzbank - den Rang ablaufen.Auf dem Börsenparkett sorgen immer neue Fusions- und Übernahmegerüchte für Kursphantasie.Simone Matthaei sprach mit dem Finanzanalysten Michael Klein vom Bankhaus Sal.Oppenheim über Favoriten und Fusionen in der Branche.

TAGESSPIEGEL: Herr Klein, Banktitel waren in der Vergangenheit attraktiv für Anleger.Gilt das auch für die Zukunft?

KLEIN: Ich glaube schon.Wir haben jedenfalls alle großen Banken auf "halten" eingestuft.Die Bankbranche ist zwar zur Zeit am Markt etwas überbewertet.Aber zum Verkaufen würde ich niemandem raten.Dafür sind die Dividenden und Renditen bei den Banken zu gut.Sicherlich ist die Kursentwicklung bei der Automobilbranche besser.Für die Bankpapiere spricht aber, daß sie auch in Zukunft sehr stabil sein werden.

TAGESSPIEGEL: Warum?

KLEIN: Weil das Umfeld einfach stimmt.Die Zinsen sind niedrig und werden auch in naher Zukunft nur leicht steigen.Das heißt: Kredite bleiben billig und werden von den Verbrauchern auch in Anspruch genommen.Darüber freuen sich die Banken natürlich.Selbst die Asienkrise erschüttert die Geldinstitute nicht.Die Verluste wurden zum größten Teil bereits in den Geschäftsabschlüssen von 1997 verdaut.

TAGESSPIEGEL: Werden die Banktitel im europäischen Aktienmarkt weniger wichtig sein?

KLEIN: Das sehe ich nicht.Immerhin sind viele Finanzinstitute bereits in den neuen Indizes, ähnlich stark wie im Dax, gewichtet.Auch auf dem europäischen Markt werden die Banktitel eine wichtige Rolle spielen.

TAGESSPIEGEL: Wo sehen Sie weitere Fusionen?

KLEIN: In Europa werden sich sicher noch einige Großbanken zusammenschließen, um sich auf dem europäischen Markt besser positionieren zu können.Bei den deutschen Großbanken sehe ich jedoch vorerst keine weiteren Fusionen.Anders sieht das hingegen bei den Genossenschaftsbanken und Sparkassen aus.Hier wird es viele Fusionen, auch in Deutschland, geben.Die Verwaltungsstrukturen dieser Banken und das breite Filialnetz sind auf Dauer einfach viel zu teuer.

TAGESSPIEGEL: Welche Bank in den europäischen Nachbarstaaten ist für Anleger interessant?

KLEIN: Dazu möchte ich keinen Tip abgeben.Die europäischen Banken sind kaum zu vergleichen, ihre Geschäftsstrukturen sind sehr unterschiedlich.Das macht einen Vergleich sehr schwer.Als Anleger muß ich wissen, in welche Bank ich investieren möchte.Soll es eine Investmentbank sein, die sich auf den Wertpapierhandel spezialisiert hat oder eine Universalbank, die die gesamte Palette des Bankgeschäftes anbietet? Ist mir Sicherheit wichtiger oder eine hohe Rendite? Erschwerend kommt hinzu, daß Informationen über ausländische Banken dem normalen Anleger kaum zugänglich sind.

TAGESSPIEGEL: Welches deutsche Geldinstitut haben Sie augenblicklich auf der Kaufliste?

KLEIN: Die Depfa-Bank.Das ist eine Hypothekenbank, die bisher unterbewertet war.Das Risiko ist gleich null, weil die Kredite von Kommunen genommen werden und diese, selbst bei Zahlungsschwierigkeiten, von der öffentlichen Hand geschützt werden.Außerdem gehe ich davon aus, daß die Dividende steigen wird.Bei den großen Banken - Commerzbank, Deutsche Bank, Dresdner Bank und Bayerische Vereinsbank - sind große Kurssprünge hingegen nicht zu erwarten.Ich habe sie daher auf "halten" gesetzt.Die Werte sind aber stabil.Für Anleger, die auf Sicherheit Wert legen und weniger an kurzfristigen Gewinnen interessiert sind, sind Banktitel einfach eine klassische Basisinvestition.

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