Wirtschaft : Bankangestellte üben im Notfall Lohnverzicht

Tarifeinigung im Bankengewerbe: Nach drei Nullmonaten gibt es in diesem Jahr zwei Prozent mehr Gehalt, im nächsten 1,6 Prozent

Alfons Frese

Berlin - Der Tarifabschluss im Bankgewerbe ist bei Gewerkschaftern zwiespältig aufgenommen worden. „Die Einkommenserhöhung um 1,6 Prozent im nächsten Jahr ist schwierig“, sagte der Tarifexperte der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Uwe Foullong, auf Anfrage. Beim DGB hieß es, die Erhöhung liege unter dem Verteilungsspielraum, den sowohl der Sachverständigenrat als auch die Forschungsinstitute in diesem Jahr auf etwas über zwei Prozent veranschlagen.

Verdi und die Verhandlungsgemeinschaft der Banken hatten sich in der Nacht zum Donnerstag auf eine Gehaltserhöhung um 2,0 Prozent ab September und um weitere 1,6 Prozent im Folgejahr geeinigt. Für die Monate Juni bis August – der alte Tarifvertrag war Ende Mai ausgelaufen – gibt es keine Gehaltserhöhung. Deshalb gehen die Arbeitgeber für das Gesamtjahr nur von einer Erhöhung um 1,55 Prozent aus. Der Verhandlungsführer der privaten Banken, Hypo-Vereinsbank-Chef Dieter Rampl, bewertete den Abschluss als „die Obergrenze dessen, was sich die Branche leisten kann“. Sein Gegenüber von Verdi, Hinrich Feddersen, sprach von einer „gerade noch akzeptablen Gehaltssteigerung“. Der Tarifvertrag gilt für zwei Jahre.

Neben der Einkommenserhöhung einigten sich die Tarifparteien auf einen Ausbildungspakt und eine tarifliche Öffnungsklausel für Kreditinstitute in schwieriger Lage. Auf solch eine Klausel hatten vor allem die Volks- und Raiffeisenbanken gedrängt. Wenn sich künftig Geschäftsführung und Betriebsrat eines Geldhauses einig sind über tarifliche Abweichungen – etwa längere Arbeitzeit oder Kürzungen beim Weihnachtsgeld – , dann können sie einen entsprechenden Antrag bei den Tarifvertragsparteien stellen. Wenn diese zustimmen, ist eine befristete Absenkung der tariflichen Standards um maximal acht Prozent möglich.

Gegenstand des neuen Tarifvertrags ist ferner die Erhöhung der Ausbildungsplätze um drei Prozent gegenüber dem Ausbildungsjahr 2003 sowie die Verlängerung der Regelungen über Altersteilzeit, Vorruhestand und Beschäftigungssicherung. So kann die Arbeitszeit von 39 auf 31 Stunden verkürzt werden; in dem Fall wird der Bankangestellte aber so bezahlt, als würde er 33 Stunden arbeiten. Der Vorruhestand ermöglicht den Beschäftigten, die mindestens zehn Jahr im Unternehmen tätig sind, ein Jahr früher in Rente zu gehen. Wer mindestens 20 Jahre in der Bank ist, kann zwei Jahre früher raus. Und zwar zu Bezügen, die 70 Prozent des letzten Gehalts ausmachen.

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