Bankaufsicht ermittelt : Der Zahlen-Trick der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank soll unter Josef Ackermann ihre Bücher frisiert haben. Jetzt prüften Bundesbank und Bafin den Fall.

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Unter Ex-Chef Ackermann (Mitte) soll die Deutsche Bank die Bilanzen frisiert haben.
Unter Ex-Chef Ackermann (Mitte) soll die Deutsche Bank die Bilanzen frisiert haben.Foto: AFP

Die Deutsche Bank hat auf dem Höhepunkt der Finanzkrise zwischen 2007 und 2009 möglicherweise ihre Bilanz nicht ordnungsgemäß aufgestellt. Sie soll Wertpapiere zu positiv eingestuft haben, um Verluste in Milliardenhöhe zu vermeiden und um keine Staatshilfen in Anspruch nehmen zu müssen. Die Bundesbank geht offenbar gemeinsam mit der Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin mit einer Sonderprüfung solchen Vermutungen nach.

Experten reisen dem Vernehmen nach in der nächsten Woche nach New York, um sich bei der US-Finanzaufsicht SEC und bei ehemaligen Mitarbeitern, die entsprechende Vorwürfe erhoben hatten, detailliert zu informieren. Möglicherweise werden die Vorwürfe aber auch entkräftet: Denn während der Finanzkrise konnten die Banken mit ausdrücklicher Duldung der Aufseher ihre Bewertungsregeln vorübergehend lockern. Dadurch sollten Bankpleiten und eine Verschärfung der Krise verhindert werden.

Die Bundesbank bestätigte am Donnerstag die Vorgänge nur indirekt. Man gebe grundsätzlich keine Auskunft zu Maßnahmen der Bankaufsicht, die einzelne Institute beträfen, sagte eine Sprecherin. Grundsätzlich gehe die Aufsicht, also Bundesbank und Bafin, erhobenen Vorwürfen nach, um sie auf ihre Stichhaltigkeit zu überprüfen. Das sei ausdrücklich ihre Aufgabe.

Der Polarisierer Josef Ackermann
Nur wenigen gelingt es, sich zum pars pro toto zu machen. Der Schweizer Josef Ackermann hat in seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank große Erfolge gefeiert und für viel Furor gesorgt. Kaum einer wirkte so polarisierend in Politik und Gesellschaft wie er. Einer ganzen Branche hat er seinen Namen gegeben: Ackermänner. Jetzt tritt er ab. Eine Ära endet.Weitere Bilder anzeigen
1 von 10Foto: dapd
31.05.2012 17:55Nur wenigen gelingt es, sich zum pars pro toto zu machen. Der Schweizer Josef Ackermann hat in seiner Zeit als...

Im Dezember vergangenen Jahres hatten der ehemalige Deutsch-Banker Eric Ben-Artzi und andere Ex-Mitarbeiter der Bank und dem Ex-Vorstandschef Josef Ackermann vorgeworfen, während der Finanzkrise Geschäfte schöngerechnet, grobe Bewertungsfehler bei Kreditpapieren gemacht und letztlich einen Verlust von bis zu zwölf Milliarden Dollar verschleiert zu haben. Es habe bei der Bewertung keinen Spielraum und keine Grauzone gegeben. Die Bank wies die Vorwürfe zurück. Man habe die Vorgänge sorgfältig und umfangreich untersucht. Sie hätten sich als „vollkommen unbegründet“ erwiesen. „Die Bewertungen und die Finanzberichterstattung waren korrekt“, sagt die Bank.

Angeblich geht es um ein Portfolio mit hochkomplexen Wertpapieren im Volumen von bis zu 130 Milliarden Dollar (101 Milliarden Euro), mit dem die Bank bis zum Ausbruch der Krise gute Geschäfte gemacht hatte. Ab Mitte 2007 brach der Markt allerdings ein – die Papiere waren nicht mehr gefragt und verloren dramatisch an Wert.

Für Dieter Hein, Bankenexperte beim Analysehaus Fairesearch zeigt die Aktivität der Bundesbank, dass sich der Verdacht auf Manipulationen erhärtet hat. Er kritisiert seit langem, dass die Deutsche Bank vor allem beim Investmentbanking nicht sauber bilanziere. „Zum Teil ist die Bilanz nicht das Papier wert, auf dem sie gedruckt ist“, sagt Hein. Immer wieder arbeiteten die Deutsche Bank wie auch andere Großbanken mit „Kunstgriffen“.

Allerdings räumt auch Hein ein, dass die Lage 2007 und 2008 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise für die Banken und das gesamte Finanzsystem äußerst heikel gewesen sei. Weil es für viele komplexe Wertpapiere keine Marktpreise mehr gab, hätten die Aufseher eventuell „Schlupflöcher ermöglicht und Bewertungen erlaubt, die sonst nicht gestattet waren“. Damit sollten übergroße Verluste und eine generelle Ausweitung der Krise vermieden werden.

Tatsächlich hatte der damalige Bank-Chef Ackermann im Herbst 2008 darauf hingewiesen, dass sein Institut die erst kurz zuvor von der EU gelockerten Bilanzierungsregeln zur Begrenzung der Krise im Bankensektor genutzt habe. Bis dahin mussten Papiere, für die zu diesem Zeitpunkt keinen Markt und damit faktisch keinen oder einen nur sehr geringen Wert mehr gab, genau damit angesetzt werden. Dies war nun nicht mehr erforderlich. Statt mit rund zwei Milliarden konnte die Bank die Wertkorrekturen auf 1,2 Milliarden Euro begrenzen. Trotzdem verbuchte sie 2008 einen Verlust von fast vier Milliarden Euro. Wirtschaftsprüfer segneten die Bilanz ab. Vermutlich auch durch die gelockerte Bewertung musste die Bank auch keine Staatshilfe in Anspruch nehmen. „Die Deutsche Bank braucht kein Geld vom Staat und sie wird den Staat auch in Zukunft nicht um Hilfe fragen“, sagte Ackermann damals. Es wäre eine Schande, wenn die Bank Geld des Steuerzahlers brauche. Ob dies auf einem von der Aufsicht gedecktem Weg passiert ist, wollen Bundesbank und Bafin jetzt klären.

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