Banken : Anleger setzen wieder auf Risiko

Die Banken konzentrieren sich stärker auf Privatkunden. Weil die Anleger risikofreudiger werden, müssen vor allem Sparkassen mit zurückhaltenden Produkten um Marktanteile bangen - so das Ergebnis einer Studie von Boston Consulting.

Peter Köhler (HB)

Frankfurt Am Main - Privatkunden werden in den kommenden Jahren stark umworben. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG), die dem „Handelsblatt“ vorliegt. Grund ist zum einen der stagnierende Markt, der den Wettbewerb zwischen den Anbietern anfacht. „Der Markt wird in Deutschland nur mit rund einem Prozent pro Jahr wachsen. Das klingt langweilig, aber es gibt dramatische Verschiebungen zwischen den Produkten", sagt Reinhard Messenböck, Bankenexperte bei BCG. Die Kunden würden wieder risikofreudiger. „Aktuell liegt noch ein Volumen von rund 60 bis 80 Milliarden Euro an ’geparktem Geld'' in klassischen Sparprodukten, das 2010 und 2011 in Anlageprodukte mit einer höheren Renditeerwartung fließen wird." Davon dürften vor allem die großen Geschäftsbanken profitieren. Den Genossenschaftsbanken und den Sparkassen drohe hingegen die Abwanderung von Kunden.

Auch dadurch, dass das Privatkundengeschäft weniger stark reguliert werden dürfte, wird es für Banken attraktiver. Experten gehen davon aus, dass Eigenkapitalraten im Investmentbanking erhöht werden. Wegen der geringeren Raten im Retailgeschäft seien hier Renditen von 40 Prozent und mehr zu verdienen. Allerdings werden der Verbraucherschutz und die Dokumentationspflichten verschärft. Die Gewinnmargen werden nach Ansicht von Andreas Pratz, Bankenexperte der Beratungsgesellschaft A.T. Kearney, aber in diesem Jahr unter Druck bleiben. „Insbesondere die Provisionserträge werden noch nicht wieder auf das Vorkrisenniveau zurückkehren. Die Kunden kaufen zwar bereits wieder strukturierte, hochmargige Produkte, verwenden aber einen kleineren Teil ihres Vermögens dafür.“

Der Retail Banking Ertragsindex lag im vierten Quartal 2009 auf stabilem Niveau, der Gewinnindex rutschte leicht ab. Insgesamt steuerte das Privatkundengeschäft im Schlussquartal 2009 bei den führenden Instituten in Europa und Nordamerika 63 Prozent zum Betriebsergebnis bei. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise waren es fast 90 Prozent gewesen. (HB)

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