Wirtschaft : Banken auf Seite der Gewinner

Bundesbank sieht steigende Erträge / Ifo: Vielzitierte Macht geringer als vermutet FRANKFURT (MAIN) / MÜNCHEN (dpa/tmh).Die Gewinne der Banken und Sparkassen in der Bundesrepublik werden auch im laufenden Jahr kräftig sprudeln.Zu diesem Ergebnis kommt die Deutsche Bundesbank in ihrem jüngsten Monatsbericht.Die Kreditinstitute profitieren dabei besonders vom Aktienboom in Deutschland, der ihre Erträge aus dem Wertpapiergeschäft in die Höhe treibe.Dennoch rechnen die Währungshüter nur mit einer "zufriedenstellenden" Ertragslage des inländischen Bankensektors.Die Zinsspanne des klassischen Bankgeschäfts stehe weiter unter Druck.Dazu trage ein verschärfter Wettbewerb ebenso bei, wie das gestiegene Renditebewußtsein der Anleger. Bereits für das vergangenene Jahr vergab die Bundesbank für die Ertragslage nur das Prädikat "zufriedenstellend".Damals erwirtschafteten die deutschen Kreditinstitute einen Vorsteuergewinn von 39,6 Mrd.DM.Die Ertragslage der deutschen Geldhäuser wurde nach Einschätzung der Bundesbank, jedoch von einer aufgestockten Risikovorsorge stark beeinträchtigt.Das Zweigstellennetz wurde 1996 um rund 500 vermindert.Der Personalbestand sank im Jahresverlauf um 7000 auf 727 000 Personen. Ob die deutschen Banken auch über die vielzitierte Macht verfügen hat das Münchener Ifo-Institut untersucht.Es kommt zu dem Schluß, daß der Einfluß geringer sei, als allgemein vermutet.Einzelne Großbanken könnten aber beispielsweise über direkten und indirekten Aktienbesitz, Aufsichtsratsmandate und Depotstimmrecht massiven Einfluß auf wesentliche Teile der deutschen Wirtschaft ausüben und täten das nicht unbedingt zum Segen der betroffenen Unternehmen. Die Banken folgten vielmehr vor allem ihrem eigenen Interesse als Kreditgeber.Zum Tragen komme das bei Investitionsentscheidungen und in Krisenlagen.Nur in seltenen Fällen würden Banker insolvente Firmen reorganisieren, Kredite in Beteiligungen umwandeln und so für das Überleben einer Firma sorgen.Wenn überhaupt, tun sie dies nur für große, bekannte Unternehmen, deren Liquidation das Ansehen der Bank schädigen würde, schreiben die Wissenschaftler.Den Verlust bei Unternehmenszusammenbrüchen müßten andere Aktionäre tragen. Nicht eindeutig seien dagegen Zusammenhänge zwischen der Höhe von Bankbeteiligungen an Firmen und deren Gewinnen zu ermitteln.Während noch vor 20 Jahren ein höherer Bankenanteil mit höheren Gewinnen einherging, deute sich in jüngerer Zeit eher ein gegenteiliger Zusammenhang an.Neuere Studien zeigten, daß Firmen, die einem großen Bankeneinfluß ausgesetzt sind, höher verschuldet seien, höhere Zinsen zahlten und niedrigere interne Finanzierungsquoten aufwiesen. Ein vernichtendes Urteil fällen die Forscher über Bankenvertreter in Aufsichtsräten."Der Großteil der deutschen Banken scheint unfähig zu sein, die Firmen, denen sie Geld geliehen haben, gut genug zu überwachen, um finanzielle Probleme frühzeitig zu erkennen".Allgemein sei die Effektivität der Kontrolle durch den Aufsichtsrat hierzulande gering.Zudem könnten Aufsichtsratsmandate derselben Bank in konkurrierenden Firmen zu Interessenskonflikten führen.Die sogenannte Macht der Banken sei im wesentlichen die Macht weniger, aber nicht nur privater Großbanken, schreibt Ifo.In der Studie aufgeführt werden neben den drei Frankfurter Bankkonzernen die Bayerische Vereinsbank und die WestLB. Waren 1988 nahezu 50 Prozent aller Aktien auf Hauptversammlungen unter Kontrolle der Banken, kontrollierten sie 1992 bereits 84 Prozent der HV-Stimmen.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar