Banken aus der Volksrepublik : Chinesen zieht es nach Berlin

Nach der Bank of China plant auch das größte Geldhaus des Landes, die ICBC, eine Niederlassung an der Spree. Den regionalen Instituten wolle man keine Konkurrenz machen, heißt es.

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Auf nach Berlin. Die größte Bank Chinas will sich in der Hauptstadt um Firmenkunden kümmern.
Auf nach Berlin. Die größte Bank Chinas will sich in der Hauptstadt um Firmenkunden kümmern.Foto: Reuters

Berlin - Auf den ersten Blick deutet wenig darauf hin, dass in dem Gebäude am Leipziger Platz in Berlin-Mitte künftig eine Bank ihren Sitz haben wird. Stattdessen zieht das „China Restaurant Sonne“ im Erdgeschoss die Blicke auf sich. Ein roter Teppich, zwei weiße Dekoelefanten und kahle Bäumchen mit lila Lichterketten schmücken den Eingang. Doch der Schriftzug weiter oben an der Fassade ist eindeutig. „Bank of China“ steht dort in schwarzen Lettern neben vier chinesischen Schriftzeichen. An diesem Donnerstag eröffnet die Bank, eine der vier größten in China, hier im Haus ihre erste Niederlassung in Berlin.

Über 600 Quadratmeter hat die Bank of China in dem Quartier angemietet, um in Berlin lebende Chinesen sowie chinesische Firmen, die in Deutschland expandieren wollen, zu betreuen. Der Ausbau der Filialen in der Bundesrepublik sei ein „Zeichen für die Stärkung der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und China“, schreiben die Banker aus Fernost.

Wie die Bank of China eröffnen immer mehr chinesische Finanzhäuser Niederlassungen in Deutschland – und streben dabei auch nach Berlin. So will die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC), die nach Börsenwert größte Bank Chinas, möglichst bald eine Zweigstelle in der deutschen Hauptstadt eröffnen. „Es könnte noch in diesem Jahr etwas werden“, sagt Deutschland-Geschäftsleiter Friedhelm Messerschmidt. Bereits jetzt ist die ICBC mit Filialen in Frankfurt, München und Düsseldorf vertreten. Für die Niederlassung in Berlin wartet Messerschmidt noch auf die endgültige Zusage aus Peking. Sowohl der Mutterkonzern als auch der chinesische Staat, dem die Bank zu 75 Prozent gehört, müssen ihre Eröffnung abnicken.

Die ICBC, die fast fünfmal so groß ist wie die Deutsche Bank, wirbt hierzulande in erster Linie um Firmenkunden. „Von Berlin aus wollen wir den gesamten Ostteil Deutschlands abdecken“, sagt Messerschmidt. Ähnlich wie die Bank of China unterstützt die ICBC in erster Linie chinesische Unternehmen, die in Deutschland Geschäfte machen, sowie deutsche Firmen, die nach China gehen wollen. „Wir wollen eine Brücke bilden zwischen Deutschland und China“, meint der Geschäftsleiter.

Den hiesigen, regionalen Instituten wolle sein Institut dabei keine Konkurrenz machen. „Wir lehnen niemanden ab, der bei uns ein Girokonto eröffnen will, aber unser Hauptfokus ist die Finanzierung von Handelsgeschäften.“ Dass die zunehmen, spiegelt sich auch in den Zahlen des Instituts wieder. Die Bilanzsumme des Deutschlandgeschäfts von ICBC ist in den letzten zehn Jahren von 500 Millionen Euro auf heute 1,2 Milliarden Euro gestiegen.

„Chinesische Banken folgen den chinesischen Unternehmen ins Ausland“, erklärt Mark Wahrenburg, Bankenprofessor an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. „Je mehr wirtschaftliche Aktivitäten chinesische Industrieunternehmen in Deutschland ausüben, desto mehr Bankdienstleistungen fragen sie nach und desto eher werden ihre chinesischen Hausbanken Filialen vor Ort errichten.“ 

Auch wenn Berlin kein klassischer Industriestandort ist, steigt auch hier der Einfluss Chinas auf die Wirtschaft. Seit 2002 haben sich die Exporte der Berliner Firmen in das Land verdoppelt. Zuletzt lieferten die Unternehmen der Stadt im Jahr Waren im Wert von 658 Millionen Euro nach China. Und auch umgekehrt verkaufen die Chinesen immer mehr ihrer Produkte nach Berlin. Mittlerweile importiert die Stadt jährlich chinesische Waren im Wert von 800 Millionen Euro.

Dass die chinesischen Banken sich jetzt in der deutschen Hauptstadt niederlassen, hat aber noch einen anderen Grund. „Die Banken ziehen natürlich auch nach Berlin, um hier Lobbyarbeit zu betreiben“, sagt Horst Löchel, Bankenprofessor an der Frankfurt School of Finance and Management. Für Deutschland sei das ein gutes Zeichen. „Es beweist, dass die Bundesrepublik als Handelspartner in China heute eine sehr hohe Anerkennung erfährt.“

Hinzu kommt, dass die chinesische Währung, der Renminbi, zunehmend als Zahlungsmittel für internationale Handelsgeschäfte genutzt wird. „Vor ein bis zwei Jahren sind die Geschäfte mit China noch fast ausschließlich in Dollar oder Euro abgewickelt worden“, sagt Löchel. Heute würden dagegen bereits 15 Prozent des Außenhandels in Renminbi beglichen. „Da braucht man natürlich auch in Deutschland Banken, die diesen Zahlungsverkehr abwickeln“, sagt der Bankenprofessor, „und die chinesischen Banken wollen das Geschäft nicht allein den deutschen Instituten überlassen.“

Löchel geht davon aus, dass bald weitere große chinesische Institute Zweigstellen in Berlin eröffnen. „Die Bank of China ist in ihrer Internationalisierung sehr weit“, sagt er. „Wenn sie sich in Berlin ansiedelt, werden die anderen chinesischen Großbanken bald folgen.“

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