Wirtschaft : Banken bekommen Stress

EU will mehr als 25 Institute eingehend prüfen

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Frankfurt am Main - Die EU-Bankenaufseher wollen künftig deutlich mehr Institute einem Stresstest unterziehen als bei der aktuellen Überprüfung. Der zuständige Ausschuss der europäischen Bankenaufseher (CEBS) arbeite an Phase zwei, die deutlich mehr als die jetzt getesteten 25 Großbanken umfassen würde, sagte ein EU-Beamter am Freitag.

Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten beim Gipfel am Donnerstag beschlossen, individuelle Ergebnisse eines Stresstests, bei dem Banken auf ihre Belastungsfähigkeit im Krisenfall überprüft werden, zu veröffentlichen. Nach Informationen der Agentur Reuters ist bei diesem Test neben der Deutschen Bank und der Commerzbank auch die Bayern LB beteiligt. Die Ergebnisse sollen bis Ende Juli vorliegen.

In den USA sind Stresstests für 19 führende Banken schon vor einem Jahr veröffentlicht worden. Danach benötigten die Institute damals knapp 75 Milliarden Dollar an zusätzlichem Kapital, um einer weiteren möglichen Wirtschaftsabschwächung standhalten zu können. Freilich: Längst gibt es Diskussionen um die Kriterien. Kritiker sagen, sie seien zu milde ausgefallen, wodurch sich der mögliche Kapitalbedarf vermindert habe.

Bislang wurde in Europa erst ein Stresstest veröffentlicht, allerdings nur allgemein und nicht für einzelne Banken. Im Oktober vergangenen Jahres hatte die europäische Bankenaufsicht das Gesamtergebnis für 22 große Banken bekannt gegeben: Auch unter kritischen Umständen seien die Banken Ende 2010 mit genügend Eigenkapital ausgestattet. Dabei hatten die Aufseher unter anderem einen Rückgang des Sozialprodukts für 2009 um 5,2 Prozent und für 2010 um 2,7 Prozent unterstellt. Ein weiteres Kriterium war der Einbruch der gewerblichen Immobilienpreise um 17 und 13 Prozent sowie der Anstieg der Arbeitslosenquote auf 12 Prozent.

In Deutschland gibt es schon seit Jahren Stresstests. Sie gehören zu den internen Steuerungselementen der Banken, aber längst auch zu den Methoden, der sich Bundesbank und die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) bei der Überwachung der Banken bedienen. Dabei schauen die Aufseher zunächst auf das Kreditrisiko. Basis dafür sind die Meldungen der Banken: Jeden Kredit von mehr als 1,5 Millionen Euro müssen sie der Bundesbank offenlegen. Für die Risikoeinschätzung ist unter anderem wichtig, ob mehrere Kredite an einzelne Unternehmen vergeben wurden oder ob die Risiken auf bestimmte Branchen konzentriert sind. Daraus ergibt sich ein mögliches Ausfallrisiko, das wiederum schwerwiegende Folgen für das Eigenkapital der jeweiligen Bank haben könnte. Ein weiteres Kriterium ist das sogenannte Marktrisiko: Wie können sich die Zinsen verändern, wie die Aktienkurse, wie die Wechselkurse, welche Folgen haben starke Schwankungen an den Finanzmärkten und hohe Renditeaufschläge bei Anleihen?

Bei ihrer Analyse von 28 Banken im Jahr 2007 ging die Bankenaufsicht von Zinsänderungen um bis zu 150 Basispunkte aus. Beim Euro wurden Wechselkursschwankungen von plus bis minus 15 Prozent unterstellt, am Aktienmarkt ein Kurseinbruch von 30 Prozent. Daneben untersuchten die Aufseher das Liquiditätsrisiko, unter anderem die Folgen einer Herabstufung durch Ratingagenturen von bis zu zwei Schritten, also etwa von der noch guten Note A auf die weniger gute Note BBB+. Wenn das passiert, müssen die Banken Geschäfte mit mehr Eigenkapital unterlegen. Schließlich untersuchte die Aufsicht makroökonomische Entwicklungen, etwa einen Rückgang des Wachstums, einen Ölpreisschock oder massive, kurzfristige Änderungen im Anlegerverhalten. Bei der aktuellen Analyse sollen zusätzlich auch noch die Erfahrungen aus der Finanzkrise als verschärfte Kriterien mit einfließen, wie Bundesbank-Chef Weber am Donnerstag durchblicken ließ. Rolf Obertreis

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