Wirtschaft : Banken brauchen Türken

Berlin - Die Commerzbank in Berlin will von November an 15 Realschulabgänger mit Migrationshintergrund in einem Praktikum weiterqualifizieren. Innerhalb von neun Monaten sollen sie im Umgang mit Zahlen und Kunden so trainiert werden, dass sie am Ende gute Chancen auf eine Ausbildung zum Bankkaufmann haben. Das Bildungswerk Kreuzberg vermittelt den Jugendlichen parallel zur Praxiserfahrung sprachliche und mathematische Kenntnisse.

Was angesichts der häufig schlechten Chancen von Realschülern ausländischer Herkunft auf dem Ausbildungsmarkt wie eine Wohltat der Commerzbank klingt, hat auch einen ökonomischen Hintergrund. „Die Nachfrage unserer internationalen Kunden nach muttersprachlichen Mitarbeitern, besonders im Geschäftskundenbereich, ist stark ausgeprägt“, begründet die Commerzbank ihre Initiative.

Nihat Sorgec, Geschäftsführer des Bildungswerks Kreuzberg, berichtete am Freitag, wie Banken sich derzeit gegenseitig türkischsprachige Mitarbeiter abwerben, um türkischstämmige Kunden zu gewinnen: „Früher war die Muttersprache von Migranten für deutsche Arbeitgeber nicht so wichtig, heute sind mehrsprachige Mitarbeiter sehr begehrt.“

Eine interkulturelle Öffnung der Kreditinstitute scheint überfällig – gerade in Berlin. In der Hauptstadt wird rund jedes zweite Gewerbe von Unternehmern nicht-deutscher Herkunft angemeldet. Etwa die Hälfte aller Schulanfänger kommt aus Migrantenfamilien. Von den rund 120 000 Berliner Türken kann die Commerzbank allerdings nur wenige in ihrer Muttersprache beraten. Von 670 Mitarbeitern sind lediglich acht türkischer Herkunft. Nach den Einstiegspraktika könnten es einige mehr sein. awr

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