Banken : Dresdner Bank vor Verkauf

Am Sonntag entscheidet der Aufsichtsrat der Allianz über das Schicksal der Tochter. Die Commerzbank ist Favorit.

Stefan Kaiser
Dresdner_Bank
Dresdner Bank. Im grünen Bereich. -Foto: Keystone

BerlinDie Dresdner Bank steht unmittelbar vor dem Verkauf. Am kommenden Sonntag soll der Aufsichtsrat der Muttergesellschaft Allianz zusammenkommen, um über die Abspaltung der ungeliebten Tochter zu entscheiden. Ein Sprecher der Allianz bestätigte diesen Termin am Donnerstag, wollte sich aber nicht zum Inhalt der Sitzung äußern.

In der Finanzbranche geht man davon aus, dass die Commerzbank den Zuschlag erhält. Dafür spricht, dass auch deren Aufsichtsrat am Sonntag zusammenkommen soll. „Es sieht so aus, als würde am Wochenende die Entscheidung fallen – und zwar zugunsten der Commerzbank“, sagte Dieter Hein vom unabhängigen Analysehaus Fairesearch dem Tagesspiegel.

Der China Development Bank (CDB), die ebenfalls im Rennen um die Dresdner Bank mitmischen soll, räumen Hein und andere Experten nur wenig Chancen ein. Einige vermuten sogar, die Allianz könnte die Chinesen nur ins Spiel gebracht haben, um den Preis in die Höhe zu treiben. Tatsächlich ist die chinesische Staatsbank deutlich kleiner als die Dresdner Bank. Auch politisch gilt eine deutsche Großbank in chinesischer Hand als problematisch. Gerade hat die Bundesregierung einen entsprechenden Gesetzentwurf beschlossen, um deutsche Konzerne vor Übernahmen durch ausländische Staatsinvestoren zu schützen.

Für die Chinesen spricht allerdings, dass sie angeblich deutlich mehr Kapital aufbringen könnten, als die Commerzbank, die sich das Geld erst durch eine Kapitalerhöhung beschaffen müsste. Auch den Gewerkschaften wäre ein Verkauf ins Ausland lieber als eine deutsche Lösung. Sie fürchten, dass bei einer Fusion mit der Commerzbank mehr als 10 000 der insgesamt 63 000 Arbeitsplätze wegfielen – die meisten bei der Dresdner Bank.

Ein Zusammenschluss von Dresdner Bank und Commerzbank wäre die größte Fusion in der deutschen Bankenlandschaft seit mehr als sieben Jahren: Damals, 2001, hatte die Allianz die Dresdner Bank für 24 Milliarden Euro übernommen. Heute wird der Wert der Bank nur noch auf rund neun Milliarden geschätzt.

„Die Allianz hat in den sieben Jahren nur unter der Dresdner Bank gelitten“, sagte Analyst Dieter Hein. Nur 2005 und 2006 hat das Institut schwarze Zahlen geschrieben. Vor allem die Investmentbanking-Sparte erwirtschaftete immer wieder hohe Verluste. Zuletzt wurden die Probleme im Zuge der Finanzkrise noch größer. Im zweiten Quartal wies die Dresdner Bank einen operativen Verlust von 566 Millionen Euro aus. Insgesamt belaufen sich die Belastungen durch die Finanzkrise auf rund drei Milliarden Euro.

Das defizitäre Investmentbanking wollte die Allianz eigentlich bis zum Monatsende vom Privat- und Firmenkundengeschäft abspalten. Wie der Konzern am Donnerstag bestätigte, wurde dieser Prozess nun ausgesetzt. „Das spricht dafür, dass die Commerzbank das Investmentbanking mitübernimmt und anschließend abwickelt“, sagte Analyst Hein.

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