Wirtschaft : Banken: Dresdner und Commerzbank kommen sich näher

gja/stk/HB

Die Gespräche zwischen der Dresdner Bank und der Commerzbank über eine mögliche Fusion schreiten zügig voran. Dabei tritt aber offenbar immer mehr die Rolle der Allianz in den Blickpunkt. Aus informierten Kreisen heißt es, die Haltung des Großaktionärs der Dresdner könne entscheidend für den möglichen Deal sein. Derzeit werde an Konzepten gearbeitet, wie den Interessen aller Beteiligten, also auch der Allianz, Rechnung getragen werden könne. Weiter unklar ist allerdings, unter welchen Bedingungen der Versicherer eine Fusion gutheißen würde.

Unterdessen sind sich die Banken nach Informationen des Handelsblatts in ihren Gesprächen bereits sehr nahe gekommen. Faktisch habe man sich in Richtung Fusionsverhandlungen bewegt. In etwa zehn Tagen werde klar sein, ob diese formell aufgenommen würden oder nicht. Für die Dresdner sind dem Vernehmen nach neben Vorstandssprecher Bernd Fahrholz die Vorstände Leonhard H. Fischer, Horst Müller und Bernd W. Voss bei den Gesprächen dabei. Für die Commerzbank nähmen neben Bankchef Martin Kohlhaussen die Vorstände Klaus-Peter Müller, Klaus Müller-Gebel und Klaus M. Patig teil. Verständigt habe man sich schon auf grundsätzliche Linien für die Strategie, die dem jetzigen Dresdner-Konzept ähneln. Die neue Bank soll nach diesen Informationen Filial- und Investmentbank sein, um Produkte über ein starkes Filialnetz verkaufen zu können. Im Privatkundengeschäft werde die deutsche Marktführerschaft angestrebt. Zentrales Feld solle E-Commerce werden, mit Comdirect als wichtiger Säule. Schwerpunkt wäre das beratungsintensive Geschäft und geographisch Europa. Während die Rolle des Dresdner-Bank-Anteilseigners Allianz als möglicher Knackpunkt angesehen wird, schwindet die Furcht vor Commerzbank-Großaktionär Cobra. Offenbar wächst die Hoffnung, dass sich kein ausländischer Käufer für dessen 17-ProzentPaket findet und die Gruppe zerfällt.

Eine Fusion von Dresdner und Commerzbank würde zu erheblichen Kosteneinsparungen führen, die strategische Position der Banken aber nicht radikal verbessern. Zu diesem Ergebnis kommen die Analysten von Schroders Salomon Smith Barney (SSSB) in einer Studie über die Auswirkungen einer Fusion zwischen den Instituten. Zugleich äußern die Analysten Vorbehalte wegen der Umsetzungsrisiken bei Fusionen dieser Größe. Als Motive für einen Zusammenschluss sehen sie die Verbesserung der Profitabilität im Privatkunden- und eine größere Reichweite im Großkundengeschäft wie auch im Investment Banking. Sie rechnen mit Kostensynergien von 14 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Das Einsparpotenzial liegt etwa auf dem Niveau der von Dresdner und Deutscher Bank bei ihrem Fusionsversuch angekündigten 13 Prozent.

Den Kosteneinsparungen stünden nach Ansicht der SSSB-Analysten aber auch Ertragseinbußen von rund zehn Prozent gegenüber, vor allem durch Kundenverluste im Geschäft mit mittelständischen Firmen. Obwohl es auch hier Überlappungen gebe, stelle dieser Bereich - anders als im Fall Deutsche/Dresdner - kein unüberwindliches Hindernis für eine Fusion dar.

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