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Wirtschaft : Banken erklären sich zur Hilfe bereit, früheren Vorständen und Managern des Konzerns drohen Anzeigen

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Der Baukonzern Philipp Holzmann kann auf die Hilfe der Banken hoffen. Die Deutsche Bank und die Bayerische Landesbank wollen sich am Sanierungskonzept für den schwer angeschlagenen Baukonzern Philipp Holzmann beteiligen, auch die Bankgesellschaft Berlin signalisierte ihre Bereitschaft. Allerdings will die Deutsche Bank nur einspringen, wenn auch die übrigen 20 bis 30 Gläubigerbanken, der Pensionssicherungsverein und die Arbeitnehmer von Holzmann zu Hilfen bereit sind. Die anderen Banken sollten sich bis Dienstag Abend äußern.

Geplant ist offenbar, ähnlich wie bei der Beinahe-Pleite der Metallgesellschaft vor sechs Jahren, ein Kapitalschnitt im Verhältnis 26 zu 1 mit einer anschließenden Aufstockung. Dadurch sollen Holzmann rund 1,2 Milliarden DM zufließen. Durch diese Maßnahme würde das Grundkapital des Baukonzerns zunächst auf nominal 5,7 Millionen Euro reduziert und danach wieder auf nominal 7,6 Millionen Euro angehoben. Bezahlen müssen also die Aktionäre: Diejenigen, die bislang 26 Holzmann-Aktien halten, besitzen dadurch nur noch ein Papier. Sie kommen nur bei der Teilnahme an der unmittelbar folgenden Kapitalerhöhung und damit durch die Bereitstellung von frischem Geld für 25 neue Aktien wieder auf ihre ursprünglichen Bestand.

Unterdessen hat die Frankfurter Staatsanwaltschaft aufgrund einer Strafanzeige Ermittlungen gegen ehemalige Holzmann-Manager wegen Untreue, Betrug und Bilanzfälschung aufgenommen. Namen wollte Staatsanwaltschaft Rainer Schilling am Dienstag nicht nennen.

Die gesamten Schulden des Baukonzerns, der am Montag seine Zahlungsunfähigkeit eingestanden hatte, liegen angeblich bei 7,6 Milliarden DM bei rund 100 Banken. Fünf Milliarden DM sind dem Vernehmen nach unbesichert. Auch am Dienstag wurde in Frankfurt betont, dass die meisten der Gläubigerbanken von der Nachricht aus der Konzernzentrale von Holzmann völlig überrascht worden waren. Allenfalls zwei bis drei Institute sollen zumindest im Ansatz die Schieflage geahnt haben.

Nach Ansicht von Experten ist Holzmann nur dann wirklich geholfen, wenn nicht nur das Finanzloch gestopft, sondern zusätzlich frisches Geld in Konzern gesteckt werden. Heute will Vorstandschef Heinrich die Aufsichtsräte informieren. Unverständnis herrscht in Frankfurt über die Arbeit der bei Holzmann aktiven Wirtschaftsprüfer und Gutachter.

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