Wirtschaft : Banken-Fusion im Südwesten

"Landesbank Baden-Württemberg" entsteht am 1.Januar 1999"Landesbank Baden-Württemberg" entsteht am 1.Januar 1999

STUTTGART (rer).Über zwei Jahrzehnte hinweg hat eine baden-württembergische Landesregierung nach der anderen versucht, im Südwesten eine Großbank zu etablieren.Vergebens.Jetzt ist es soweit: Aus drei öffentlich-rechtlichen Kreditinstituten entsteht zum 1.Januar 1999 die "Landesbank Baden-Württemberg".Vor allem das Sparkassenlager erwies sich stets als Bremsklotz, fürchtete es doch wahlweise eine große Landesbank als lästige Konkurrenz oder - wie 1995 - die Hereinnahme einer Privatbank als Gefahr für das öffentlich-rechtliche Bankensystem und damit für die eigenen Pfründe."Ein jegliches hat seine Zeit", zitierte gestern Wirtschaftsminister Walter Döring (FDP) die Apostelbriefe auf die Frage, warum denn ausgerechnet jetzt der große Wurf gelungen sei.Doch tatsächlich gibt es profanere Gründe: Die Münchner Großfusion von Vereins- und Hypothekenbank gab den Baden-Württembergern einen ausreichenden Motivationsschub, um Abschied zu nehmen von ihrem Banken-Schrebergarten.Regierungschef Teufel feierte das jüngste Verhandlungsergebnis als "großen Erfolg für Baden-Württemberg", das nun über eine große, leistungsfähige Bank verfüge. Mit der Fusion entsteht ein Kreditinstitut mit einer Bilanzsumme von rund 380 Mrd.DM (Stand 1996, 1997 hochgerechnet 430 Mrd.DM) und mit mehr als 9000 Mitarbeitern.Damit liegt sie innerhalb Deutschlands, gemessen an der Bilanzsumme, nach der Deutschen Bank, der Bayerischen Hypo und Vereinsbank, Dresdner Bank, Commerzbank und WestLB auf Platz sechs.Nach der Ertragsstärke soll sie sogar auf Platz vier rangieren.Gebildet wird die Landesbank Baden-Württemberg aus der Südwestdeutschen Landesbank (Südwest LB, Bilanzsumme 207 Mrd.DM), die als Spitzeninstitut der badischen und württembergischen Sparkassenverbände fungiert, der Landeskreditbank (L-Bank, Bilanzsumme 134 Mrd.DM), die zu 100 Prozent dem Land gehört und vor allem dessen Förderprogramme abwickelt sowie der Landesgirokasse Stuttgart (LG, Bilanzsumme 39 Mrd.DM), der nach Hamburg zweitgrößten Sparkasse Deutschlands.Die LG gehört dem Land und der Stadt Stuttgart. Die neue Bank erhält volle Geschäfts- und Niederlassungsfreiheit.Da die Fusionspartner kaum über Filialen in der Fläche verfügen, hält sich Konkurrenz zu den Sparkassen in Grenzen.Stellenverluste werden deshalb nicht befürchtet.Landtag, der Stuttgarter Gemeinderat sowie die beiden Sparkassenverbände Baden und Württemberg müssen der Fusion noch zustimmen.

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