Wirtschaft : Banken geben weitere Millionen - Konzern als Trendsetter

Rolf Obertreis

Die Banken haben dem Sanierungskonzept endgültig zugestimmt und geben Holzmann weitere Millionen. Der neue Vorstandschef Konrad Hinrichs agiert mit harter Konsequenz, selbst in der Zentrale bleibt kaum ein Stein auf dem anderen. Der Bauriese soll auf ein rentables Maß schrumpfen und schon im laufenden Jahr schuldenfrei werden und ein positives Ergebnis vorlegen. Das wäre eine bemerkenswerte Entwicklung. Jahrelang wurde bei Holzmann geschludert, fast bis zur absoluten Katastrophe. Jetzt kommen ein neuer Mann und ein paar schlaue Unternehmensberater und entdecken Schwachstellen, die jedem wenigstens einigermaßen weitsichtigen Manager hätten auffallen müssen. Auch wenn es vermutlich wie in anderen Fällen keine rechtlichen Konsequenzen geben wird, bleibt Verwunderung darüber, wie in Vorstandsetagen mitunter agiert wird. Vielleicht aber kommt doch noch mehr ans Tageslicht. Der Fall Holzmann ist längst noch nicht abgeschlossen: Großaktionär Leysen will die Deutsche Bank auf Schadensersatz verklagen, die Bauarbeitgeber stellen sich gegen die Regelungen für den Sanierungsbeitrag der Holzmann-Mitarbeiter, und die EU hat noch kein grünes Licht für die von den Banken eingeplanten Bundeshilfen gegeben. Der Fall Holzmann zieht ganz weite Kreise. Ganz konkrete Auswirkungen könnte dies schon bei den nächsten Tarifverhandlungen für die Bauwirtschaft haben: Mittlerweile fordern nicht nur die Bauarbeitgeber, sondern selbst der neue Holzmann-Chef Öffnungsklauseln für die gesamte Branche. Kein Wunder: Er weiß, dass nicht nur Holzmann fast in die Pleite gestürzt ist, sondern weitere Unternehmen alles andere als solide dastehen.

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