BANKEN : Gestörte Beziehung

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Foto: dpadpa

Eine Zeit lang sahen sie aus wie das Traumpaar der deutschen Krisenhilfe. Angela Merkel, Bundeskanzlerin, und Josef Ackermann, Chef der größten deutschen Bank. Es war ein Anruf Merkels auf Ackermanns Handy, mitten in der Nacht, der zur Rettung der Hypo Real Estate führte und den Zusammenbruch der Bankenlandschaft abwenden konnte. Auch auf seinen Rat hin spannte sie einen Rettungsschirm. Im Sommer, während des Bundestagswahlkampfes, plauderte der Banker aus, die Regierungschefin habe ihm ein Geburtstagsessen ausgerichtet, im Kanzleramt.

Doch je länger die politische Diskussion um die Neuordnung der Finanzsysteme dauert, desto stärker kriselt es in der Beziehung. Merkel will den Spielraum der Banken begrenzen, will Spekulationen und Größenwahn eindämmen. Sie will zeigen, dass die Politik die Welt regiert, nicht das Geld. Um zu demonstrieren, wie wichtig ihr sozialer Zusammenhalt ist, fordert sie von den Banken auch symbolische Aktionen wie den Verzicht auf hohe Boni. Ackermann will das verhindern. Regulierung lehnt er ab. Er lässt keine Gelegenheit aus, zu betonen, dass seine Bank Staatshilfe nicht nötig habe. An einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent hält er fest. Die Deutsche Bank brauche hohe Gewinne genauso wie hohe Gehälter, um sich im internationalen Wettbewerb zu behaupten.

Und so giften sie sich mittlerweile öffentlich an, die ehemals Vertrauten. Einige Banker riskierten schon wieder „eine ziemlich große Lippe“, sagt Merkel im November. Ackermann kontert ein paar Wochen später. Der größte Witz für einen Unternehmer sei der Spruch: „Ich bin von der Regierung und will Ihnen helfen.“ Ackermann hat im Februar Geburtstag. Eine Party im Kanzleramt wird es wohl nicht geben. mirs

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