Banken : IKB-Chef stürzt über US-Immobilien

Nach dem Absenken der Ergebnisprognose lagen die Karten auf dem Tisch: Die Düsseldorfer IKB-Bank ist durch die Krise des US-Immobilienmarktes ins Schlingern geraten. Ohne einen Eingriff der KfW hätte der Bank gar ein Liquiditätskrise gedroht.

Düsseldorf/Frankfurt/Main Die US-Immobilienkrise hat die deutsche Bankenbranche erreicht. Die staatliche Förderbank KfW greift ihrer Beteiligung IKB Deutsche Industriebank AG unter die Arme und stellt deren Bonität sicher. Die Düsseldorfer IKB senkte wegen der Krise am US-Immobilienmarkt die Ergebnisprognose für das laufende Jahr. Vorstandssprecher Stefan Ortseifen musste zudem seinen Hut nehmen. Die KfW setzte eigene Manager an der IKB-Spitze ein. Branchenbeobachter sprachen von dramatischen Ereignissen und einer ernsthaften Vertrauenskrise. Der Aktienkurs brach in der Spitze um 25 Prozent ein. Die Bankenaufsicht BaFin untersucht unterdessen mögliche Unregelmäßigkeiten im Handel mit IKB-Aktien der vergangenen Woche.

Nach Angaben der IKB wird das operative Ergebnis im Geschäftsjahr 2007/2008 (31. März) niedriger als die bisher erwarteten 280 (Vorjahr: 263) Millionen Euro ausfallen. An den Börsen sorgte die Nachricht für große Überraschung, da die Bank erst vor zehn Tagen ihre Gewinnprognose nach Bekanntgabe der Zahlen für das erste Quartal bestätigt. In Frankfurt versicherte die KfW, dass die Bank "mit der Aufsicht die Situation analysiert und unmittelbar gehandelt" habe. Die KfW stärke die IKB und "leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung des Marktes". Die IKB erklärte in einer Mitteilung, ihre Bonität sei vor dem vergangenen Wochenende in Frage gestellt worden und es sei zu befürchten gewesen, dass sich die Vertrauenskrise weiter verschärfe.

KfW übernimmt IKB-Risiken

Die KfW will der IKB unter die Arme greifen und unter anderem gegen Risiken abschirmen, die aus Investments in den USA resultierten. Diese Maßnahmen gewährleisteten, dass die IKB ein bonitätsstarkes Bankinstitut, insbesondere für den deutschen Mittelstand, bleibe, hieß es in der Mitteilung. An der im MDax notierten IKB ist die KfW mit 38 Prozent beteiligt. Die IKB-Krise wird nach Angaben aus Finanzkreisen auch Auswirkungen auf die Bilanz der staatseigenen KfW haben.

"Das ist dramatisch", sagte der Sprecher der größten deutschen Aktionärsvertretung DSW, Jürgen Kurz, zu den Ereignissen und zum Kursabsturz. Es gebe viele Frage und es sei noch vieles im Dunkeln. So müsse geklärt werden, ob das Management den Kapitalmarkt vor wenigen Tagen ordnungsgemäß informiert hat. Wie könne eine Bank, die eher für ihr risikoarmes Geschäft in Deutschland bekannt sei, in einem solchem Ausmaß im Ausland Risiken eingehen, fragte Kurz weiter. Der Banken-Experte Wolfgang Gerke sprach von einer "ernsthaften Situation". Die KfW hätte nicht gleich den Vorstandschef rausgeworfen und Risiken übernommen, wenn es nicht eine sehr schwierige Lage gegeben hätte.

Vorstand Ortseifen schied im Einvernehmen

IKB-Chef Ortseifen schied laut IKB im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat aus seinem Amt aus. "Der Aufsichtsrat hat Herrn Günther Bräunig, Mitglied des Vorstands der KfW, zum Vorsitzenden des Vorstands der IKB bestellt. Weiter wurde Dieter Glüder, Direktor der KfW, zum Mitglied des Vorstands der IKB bestellt", hieß es in der Mitteilung. Nach Angaben aus Finanzkreisen werden die beiden Manager nur vorübergehend als Krisenmanager bei der IKB tätig sein. Sie wollen ihre Aufgaben bei der KfW behalten.

Der Kurs der IKB-Aktie war bereits in den vergangenen Wochen zurückgegangen. "Wir überprüfen routinemäßig, ob es angesichts des auffälligen Kursverlaufs der vergangenen Woche zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist", sagte BaFin-Sprecherin Sabine Reimer auf Anfrage.

Protest aus der Union

Das Bundesfinanzministerium begrüßte die Unterstützung der staatlichen Förderbank KfW für die IKB. Weitere Angaben wollte der Sprecher von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), Torsten Albig, allerdings nicht machen. Dies sei Sache der Finanzaufsicht BaFin und der Aufsichtsgremien der Banken.

Aus der Union wurde deutliche Kritik am KfW-Engagement laut. Die Staatsbank sollte sich auf ihre Aufgaben als Wirtschaftsförderer konzentrieren und nicht Privatbanken oder deren Risiken übernehmen, sagte der Vize-Chef der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU, Hans Michelbach, dem Tagesspiegel. Er forderte Steinbrück auf, der KfW den Ausflug in das Privatbankengeschäft zu verbieten. (mit dpa)

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