Wirtschaft : Banken in Deutschland: Noch auf der Suche nach Zukunftsstrategien

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Vielfach wartet der Markt noch auf überzeugende Strategien der Finanzhäuser. Spannende Investment-Ideen zeigen sich eher in Produkt- und Geschäftsperspektiven als in einer absehbaren Konsolidierungswelle. Das voraussichtlich rasante Wachstum in der privaten Altersvorsorge, die wachsende Bedeutung der Kapitalmärkte für die Unternehmensfinanzierung und die Chancen des E-Commerce sind Stichworte, die die Wachstumsfelder der Banken umreißen. Herausforderungen sind: die Strukturen zu schaffen, um Ertragschancen auszuschöpfen und die im internationalen Vergleich schwachen Eigenkapitalrenditen zu steigern. Ob hierfür ein engmaschiges Kooperationsnetz in Europa geeignet ist, wie es die Commerzbank verkündet, ob die fokussierte Strategie der Hypo-Vereinsbank eher zum Ziel führt oder die ambitionierten globalen Ansprüche von Deutscher Bank und Dresdner Bank, wird sich zeigen.

Große Strukturveränderungen stehen im Investment Banking an. "Hier wird Europa der Markt mit den höchsten Wachstumsraten sein", sagt Fiona Swaffield, Analystin bei Lehman Brothers. Zugleich ist der Wettlauf europäischer Banken um starke Positionen in den USA in vollem Gang - via Übernahmen oder eigenes Wachstum. Keine der deutschen Banken will auf diese Einnahmequelle verzichten. Doch gerade Dresdner und Commerzbank haben ihre Position auf diesem Markt noch nicht definiert.

Die zweite große Baustelle ist das Privatkundengeschäft, das bei allen großen Spielern profitabler werden muss. Die Institute haben das Problem erkannt, aber noch lange nicht gelöst. Beim Thema E-Commerce sind hohe Investitionssummen bereit gestellt, doch wohin der Weg geht und wie stark ausländische Banken den deutschen Häusern Marktanteile streitig machen können, ist vorerst nicht klar.

Spannend bleibt die Frage nach der effizienten Organisation: Fusionen, höhere Marktanteile und Größenvorteile sind eine Variante, die zum Beispiel für das Retail Banking favorisiert wird. Eine Alternative sind Kooperationen. Um die Flexibilität der Geschäftsbereiche zu erhöhen, wird zunehmend über Abspaltungen und Holding-Strukturen diskutiert. "Eine Option der Deutschen Bank ist es, das Private Banking sowie das klassische Kreditgeschäft abzuspalten", sagt etwa der Analyst einer führenden Investment Bank. Kollegin Swaffield von Lehman Brothers hält bei der Dresdner Bank einen Börsengang der Asset-Management-Sparte für sinnvoll. Dies sei jedoch unrealistisch, solange die Allianz als Anteilseigner mitrede. Analysten sehen die Branche mit einer guten Portion Skepsis. Das Kursniveau ist bereits hoch, viel Potenzial bleibt nicht mehr. Oft werden sind nur ein oder zwei Titel unter den Empfehlungen, meist Deutsche Bank und Hypo-Vereinsbank.

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