Wirtschaft : Banken: Krisensitzung bei der Commerzbank

Der Commerzbank steht am Montag eine turbulente Aufsichtsratssitzung bevor. Das Kontrollgremium soll die drastischen Sparpläne von Vorstandssprecher Chef Klaus-Peter Müller absegnen. Angesichts der schwierigen Lage der viertgrößten deutschen Bank steht Müller, der das Geldhaus seit fünf Monaten lenkt, offensichtlich unter Zeitdruck. Die Sitzung des Aufsichtsrats vom 12. November wurde vorverlegt. Grund: die Gewinne der Bank sind eingebrochen. An der Börse wird damit gerechnet, dass die Bank in diesem Jahr nur ein Drittel so viel verdienen wird wie 2000. Die Kursstürze an den Börsen und die immer stärker in Richtung Rezession schlitternde Weltwirtschaft haben die Commerzbank besonders hart getroffen.

Müller verordnete dem Kreditinstitut deshalb einen eisernen Sparkurs. Bereits im Juli verhängte er einen Einstellungstopp. Doch die natürliche Fluktuation wird als nicht mehr ausreichend erachtet. Nach Medienberichten sollen 50 Filialen geschlossen werden. Insgesamt müssten dann bis zu 4000 Stellen wegfallen. Jeder zehnte Angestellte wäre betroffen. In der gesamten Branche rechnen Experten mit bis zu 30 000 Arbeitsplätzen, die bis 2003 dem Rotstift zum Opfer fallen.

Insgesamt will Müller in diesem Jahr 240 Millionen Euro (470 Millionen Mark) einsparen. Dazu überprüft er auch IT-Projekte, die in der Internet-Euphorie gestartet wurden. Auch in der Vorstandsetage werden personelle Konsequenzen nicht ausgeschlossen. Dies könnte nach Medienberichten den Leiter der Vermögensverwaltung, Heinz Hockmann, sowie den Chef des Privatkundengeschäfts, Norbert Käsbeck, treffen. Anlass für eine mögliche Neubesetzung sind die Millionenverluste in ihren Ressorts.

Auch um die Ertragslage des Konzerns steht es schlecht. Im ersten Halbjahr 2001 sackte der Gewinn vor Steuern im Jahresvergleich um 74 Prozent auf 495 Millionen Mark ab. Von dem ursprünglichen Ziel, in diesem Jahr einen Gewinn vor Steuern von 1,7 bis 1,8 Milliarden Euro zu erreichen, ist die Commerzbank weit entfernt.

Ein straffes Sparprogramm durchzusetzen, wird in der Branche als "Feuerprobe" für den neuen Bankenchef gewertet. Er müsse der Unsicherheit um die Zukunft der Großbank ein Ende setzen. Neben der schwachen Ertragslage ist der Ruf der Bank immer wieder von Übernahmegerüchten erschüttert worden. Verhandlungen über ein Zusammengehen mit mehreren Banken scheiterten bisher.

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