Banken : LBB setzt auf Privatkunden

Berliner Institut schließt das vergangene Jahr zwar mit knappem Plus ab, erwartet aber kein schnelles Ende der Krise

Maren Peters

Berlin - Die Landesbank Berlin rechnet nicht mit einer schnellen Entspannung an den Finanzmärkten. Die größten Belastungen stünden im dritten Quartal dieses Jahres noch bevor, sagte Hans-Jörg Vetter, der Vorstandsvorsitzende der Landesbank Berlin (LBB), bei der Bilanzvorlage am Dienstag in Berlin. Er schloss nicht aus, dass auch die LBB in Mitleidenschaft gezogen wird. „Den Zweit- und Drittrundeneffekten kann sich niemand entziehen.“ Die eigene Bank werde aber voraussichtlich „unterdurchschnittlich“ betroffen sein. Die ersten zwei Monate des Jahres sind Vetter zufolge „nicht schlecht gelaufen“. Ziel für das Gesamtjahr sei es, ein „ordentliches Ergebnis“ einzufahren. Eine Prognose wollte der LBB-Chef aber nicht abgeben. Dies sei angesichts der Unsicherheiten an den internationalen Finanzmärkten zum jetzigen Zeitpunkt seriös nicht möglich.

Das vergangene Jahr hatte die Landesbank im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten einigermaßen glimpflich überstanden. Unter dem Strich erwirtschaftete das Institut mit Sitz am Alexanderplatz trotz eines verlustreichen dritten Quartals einen kleinen Gewinn (vor Steuern) von neun Millionen Euro. Ursprünglich angepeilt hatte die Bank zwar 250 Millionen Euro, aber das war vor der Finanzkrise. Das Ergebnis des vergangenen Jahres wurde durch Wertkorrekturen und Abschreibungen in Höhe von mehr als 600 Millionen Euro belastet, bestätigte die Bank am Dienstag. Die Eckdaten hatte die LBB bereits Ende Februar bekannt gegeben.

Eine Dividende für die Aktionäre wird es nicht geben. „Man kann nur verteilen, was man verdient hat“, sagte Vetter. Auch die Tantiemen für die Vorstände seien für das Jahr 2008 gestrichen worden. Einem entsprechenden Vorschlag des Vorstands habe der Aufsichtsrat inzwischen zugestimmt.

Während es im vergangenen Jahr im Kapitalmarktgeschäft krisenbedingt schlecht lief, konnte die LBB bei Privat- und Firmenkunden sowie der Immobilienfinanzierung zulegen. Wegen des gestiegenen Sicherheitsbedürfnisses der Kunden, so erklärt das die LBB, legten private Kunden 7,6 Prozent oder 12,3 Milliarden Euro mehr bei der Bank an als im Vorjahr. Davon profitierte vor allem die wichtigste LBB-Tochter Berliner Sparkasse, die in der Hauptstadt Marktführer ist. Auch im Firmenkundengeschäft konnte die LBB nach eigenen Angaben fast 1000 neue Kunden in der Region hinzugewinnen. Auch in der Immobilienfinanzierung habe die Bank das Neugeschäft leicht ausgeweitet. Eine Kreditklemme für den Berliner Mittelstand sei nicht zu befürchten, betonte er. Hohe Verluste von 391 Millionen Euro verbuchte die LBB im Kapitalmarktgeschäft. Im Vorjahr hatte die Sparte noch 380 Millionen Euro Gewinn gemacht.

Im laufenden Jahr will sich die Landesbank verstärkt auf die Privatkunden konzentrieren. Durch neue Girokontenmodelle habe die Bank seit Jahresbeginn bereits 27 000 Neukunden gewonnen. Auf die WestLB-Tochter Readybank, die sich auf Konsumentenkredite spezialisiert hat und zum Verkauf steht, hat die LBB bislang noch kein Auge geworfen. Aber: „Wenn es so weit ist, werden wir da sicher reinschauen“, sagte Vetter. Generell sehe er für Zukäufe zum jetzigen Zeitpunkt aber „kein Notwendigkeit“. Das gelte auch für die angeschlagene WestLB, betonte eine LBB-Sprecherin.

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