Wirtschaft : Banken leiden am Schuldenschnitt

Griechische Institute verbuchen Rekordverluste und brauchen wieder Hilfe.

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Schieflage. Auch die Piraeus-Bank wird mit fünf Milliarden Euro gestützt. Foto: dapd Foto: dapd
Schieflage. Auch die Piraeus-Bank wird mit fünf Milliarden Euro gestützt. Foto: dapdFoto: dapd

Athen - Griechenland ist gerettet, vorerst jedenfalls. Die hellenischen Banken aber sind so gut wie pleite. Das ist die Bilanz des griechischen Schuldenschnitts. Den Banken des Landes entstehen durch den „freiwilligen“ Forderungsverzicht Verluste, die ihre Existenz gefährden. Nachdem die europäischen Partner bereits hunderte Milliarden lockermachten, um Griechenland vor dem Staatsbankrott zu bewahren, müssen nun die griechischen Banken mit weiteren Milliarden gerettet werden.

Die am vergangenen Freitag vorgelegten Bilanzen der vier großen griechischen Banken für das Jahr 2011 zeigen den Absturz der Geldinstitute in die roten Zahlen: Sie meldeten Verluste von zusammen 28,3 Milliarden Euro. Das Ausmaß des Desasters übertrifft deutlich die Befürchtungen der Analysten, die mit Einbußen von rund 22 Milliarden gerechnet hatten.

Der Schuldenschnitt wurde zwar erst im März 2012 vollzogen, die Banken berücksichtigen ihn aber bereits im Ergebnis des abgelaufenen Jahres, um reinen Tisch zu machen und die Voraussetzungen für eine schnelle Rekapitalisierung zu schaffen. Der Schuldenschnitt hat das Eigenkapital der Banken weitgehend aufgezehrt. Die Kernkapitalquote der vier großen Institute fiel im Schnitt auf etwa drei Prozent. Die Mindestanforderung beträgt neun Prozent. Bis zum September müssen die griechischen Banken ihre Kapitaldecke entsprechend stärken.

Unter dem Strich machen die jetzt gemeldeten Verluste fast das Zehnfache des aktuellen Börsenwerts der vier Institute aus. Schon das zeigt: Am Markt werden sie sich unmöglich das benötigte Kapital besorgen können. Deshalb sind im zweiten, 130 Milliarden Euro umfassenden Griechenland-Hilfspaket der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF) 50 Milliarden Euro für die Rettung der griechischen Banken vorgesehen. Sie werden über den Hellenic Financial Stability Fund (HFSF) bereitgestellt. Er hat den Banken bereits am vergangenen Freitag schriftlich erste Hilfen zugesagt: Der Branchenführer National Bank of Greece (NBG), der einen Verlust von 12,3 Milliarden Euro verzeichnete, erhält 6,9 Milliarden Euro. Fünf Milliarden Euro gehen an die Piraeus-Bank. Mit 4,2 Milliarden stützt der HFSF die Eurobank, 1,9 Milliarden Euro gehen an die Alpha-Bank. Die Institute haben diese Garantien bereits in ihre Bilanzen aufgenommen. Die Finanzspritzen reichen aber nicht aus, um ihre Kapitalbasis im erforderlichen Ausmaß zu stärken. Die Institute haben deshalb begonnen, Auslandsbeteiligungen und Immobilien zu verkaufen, Anleihen zurückzukaufen und Kosten zu reduzieren. Sie wollen so die Staatshilfen möglichst klein halten und den privaten Charakter des griechischen Bankensystems bewahren. Entscheidend dafür ist, welche Rolle der Staat künftig in den Aufsichtsgremien und Vorständen der Banken spielt.

Davon wiederum hängt ab, welche Anreize man den privaten Bank-Aktionären und neuen Investoren bieten kann, sich an den Kapitalerhöhungen zu beteiligen. Diese Details, die auch mit der Troika aus EU, Europäischer Zentralbank und IWF abgestimmt werden müssen, sollten längst geklärt sein, wurden jetzt aber auf die Zeit nach der Parlamentswahl am 6. Mai vertagt. Offenbar will man das heikle Thema der Bankenrettung, das für Populisten am linken wie am rechten Rand des Parteienspektrums ein gefundenes Fressen wäre, aus dem Wahlkampf heraushalten. Gerd Höhler

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