Wirtschaft : Banken müssen Pro Sieben aus der Notlage helfen

Aktionäre fordern auf der Hauptversammlung am Montag Informationen, nachdem der Retter Saban abgesagt hat: Was macht Springer, was planen die Gläubiger?

Nicole Adolph

München. Noch vor zwei Wochen versprach die Eintrittskarte zur Hauptversammlung der Pro Sieben Sat 1 Media AG den Aktionären eine hollywoodreife Vorstellung mit Happy-End. Inzwischen muss sie ihnen eher wie das Ticket für einen Slapstick-Streifen vorkommen. Nachdem der US-Milliardär Haim Saban vor zwei Wochen vom geplanten Kauf des Fernsehkonzerns samt Filmbibliothek zurücktrat, ist die Zukunft des Medien-Unternehmens wieder offen. Auf der Hauptversammlung an diesem Montag in München wird es deshalb viele Fragen geben.

Trotz eines spektakulären Bieterwettkampfs haben die milliardenschweren Reste aus dem zusammengebrochenen Kirch-Konzern gut ein Jahr nach der Insolvenz von Kirch-Media noch keinen Käufer gefunden. Und bisher konnte den Aktionären niemand genau sagen, wie es weitergeht mit der Fernsehgruppe, die nicht nur unter der Ungewissheit über den künftigen Besitzer, sondern auch unter der anhaltenden Flaute auf dem Werbemarkt leidet.

Im ersten Quartal verbuchte der Konzern mit seinen vier Sendern Pro Sieben, Sat 1, N24 und Kabel 1 einen Verlust von 33 Millionen Euro. Zudem verloren die Sender Marktanteile an den Konkurrenten RTL, der mit Shows wie „Deutschland sucht den Superstar“ beim Publikum punkten konnte. Zeigt das Unternehmen nicht bald eine Perspektive auf, wird es im Wettbewerb weiter zurückfallen, fürchten die Aktionäre.

„Den Aktionären von Pro Sieben Sat 1 wird zurzeit eine starke Portion Optimismus abverlangt“, sagt Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Die Anteilseigner sind Kummer gewöhnt: Trotz ihrer Bedenken plante der Konzern für März vergangenen Jahres die Fusion mit Kirch-Media – und musste sie kurz darauf wegen der Insolvenz der Muttergesellschaft wieder abblasen. Zudem warten die Aktionäre immer noch vergeblich auf die vor einem Jahr von Vorstand und Aufsichtsrat angekündigte Umwandlung ihrer stimmrechtslosen Vorzugsaktien in Stammaktien mit Stimmrecht. Die Kontrolle hat bislang mit einem 88-Prozent-Anteil der Stammaktien die Kirch-Media.

SdK-Mann Schneider ist „nicht besonders zuversichtlich, dass bei der Hauptversammlung viel Licht ins Dunkel kommen wird“. Aufklärung erhoffen sich die Aktionäre vor allem über den so genannten „Plan B“. Er sieht vor, dass zunächst die vier Gläubigerbanken Hypo-Vereinsbank, Commerzbank, DZ-Bank und Bayerische Landesbank zusammen mit dem Kirch-Media-Management die Geschäfte weiterführen. Mit dieser Notlösung werden die Aktionäre eine ganze Weile leben müssen. Denn Branchenkreisen zufolge haben Banken und Kirch-Media-Insolvenzverwalter nach der Saban-Pleite kein Interesse, so schnell wieder neue Verhandlungen mit Interessenten aufzunehmen. „Die wollen jetzt Ruhe ins Unternehmen bringen und erst verkaufen, wenn der Marktwert wieder gestiegen ist“, sagt ein Insider.

Bedenken gegen Bankenbeteiligung

An der direkten Beteiligung der Banken, insbesondere der halbstaatlichen Bayerischen Landesbank, stößt sich unterdessen Deutschlands oberster Medienaufseher. Der Vorsitzende der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten, Wolfgang Thaenert, zweifelt, ob der Einstieg der BayernLB ins Fernsehgeschäft rechtlich zulässig ist. „Bei diesem Institut handelt es sich um ein staatliches Unternehmen. Der Staat darf in Deutschland aber keinen Rundfunk veranstalten“, sagte Thaenert in einem Interview. Auch politisch sorgt das Engagement der Landesbank, Kirchs größtem Gläubiger, für Zündstoff. So brachten die Grünen einen Dringlichkeitsantrag im Bayerischen Landtag ein, indem die Staatsregierung aufgefordert wird, eine verfassungsrechtliche Bewertung des geplanten Einstiegs darzulegen.

Pro Sieben Sat 1 bemüht sich unterdessen, die Bankenvariante als „stabile Lösung“ anzupreisen und den Eindruck von Transparenz zu wahren. „Alle relevanten Dinge, die die Gesellschaft betreffen, werden am Montag geklärt werden“, versichert Konzernsprecher Torsten Rossmann.

Bisher ist allerdings nur bekannt, dass Pro Sieben Sat 1 seine angeschlagene Kapitalbasis mit einer Kapitalerhöhung stärken will, an der sich die Banken beteiligen werden. Die Aktionärsversammlung soll den Vorstand deshalb zur Ausgabe von bis zu 97,2 Millionen Aktien bis zum Jahr 2008 ermächtigen. Beim derzeitigen Aktienkurs könnten dem Unternehmen somit 463 Millionen Euro zum geplanten Schuldenabbau zufließen. Die 36 Prozent freien Aktionäre sollen bei der Kapitalerhöhung ein Bezugsrecht für die neuen Aktien erhalten. Bei fehlender Nachfrage der Anleger sollen die Gläubigerbanken einspringen und sich entsprechend des Anteils ihrer vergebenen Kredite an der Kapitalerhöhung beteiligen.

Doch die Kapitalspritze könnte zunächst kleiner als geplant ausfallen: Nach Angaben aus Bankenkreisen vom Freitag wird die Kapitalerhöhung lediglich ein Volumen von 280 Millionen Euro haben und im Herbst umgesetzt werden. Da Kirch-Media die Hälfte finanziert, kommen die Banken höchstens auf einen Betrag von insgesamt 140 Millionen Euro. BayernLB-Chef Werner Schmidt hatte zuletzt noch von einem Volumen von bis zu 200 Millionen Euro gesprochen. Bankenkreise schätzen, dass die Gläubiger künftig mit zehn bis 16 Prozent an Pro Sieben Sat 1 beteiligt sein werden. Unklar ist indes noch, ob sich der Springer-Verlag mit seinem 11,5-Prozent-Anteil an der TV-Gruppe an der Kapitalerhöhung beteiligen wird.

Nach dem für die Kirch-Sanierer peinlichen Scheitern der Verkaufsgespräche mit Saban müssen sich die Aktionäre also in Geduld üben. Auf die Umwandlung ihrer Vorzugs- in Stammaktien können sie am Montag jedenfalls nicht hoffen. Weil Saban den Zeitplan völlig durcheinander brachte, konnte der Punkt nicht mehr auf die Tagesordnung der Hauptversammlung gesetzt werden. Und es gibt nach Angaben des Unternehmenssprechers derzeit auch keine Pläne dafür.

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