Banken : Post aus München

Allianz und Commerzbank bieten angeblich zehn Milliarden Euro für die Postbank – die Börse feiert schon.

R. Obertreis,K. Hoffmann

Frankfurt am Main/Berlin - Der deutsche Bankenmarkt steht vor einer grundlegenden Neuordnung. Angeblich haben Allianz und Commerzbank zusammen zehn Milliarden Euro für die Postbank geboten, berichtet das „Managermagazin“. Der neue Konzern, in den auch die schwächelnde Allianz-Tochter Dresdner Bank eingebracht werden soll, würde nicht nur auf Anhieb die deutsche Nummer eins im Privatkundengeschäft werden, sondern auch zu einem gewichtigen Mitspieler von internationalem Format aufsteigen. Die Börse jedenfalls hat ihre Zustimmung zu den Plänen bereits erteilt: Die Aktienkurse der beteiligten Unternehmen legten am Freitag zu. Eine offizielle Bestätigung der Pläne gibt es aber noch nicht.

Die Neuordnung der Bankenlandschaft wird von Finanzexperten seit Jahren gefordert. Ein nationaler „Banken-Champion“ müsse gebildet werden, damit die deutschen Institute im internationalen Wettbewerb mithalten können, fordern sie. „2008 müssen die Würfel fallen, sonst ist der Zug erst einmal abgefahren“, sagte Udo Steffens, Präsident der Frankfurt School of Finance.

Auch in der Politik findet der Plan Unterstützung. „Die Kombination wäre nicht die schlechteste“, sagte Otto Bernhardt, finanzpolitischer Sprecher der Union, dem Tagesspiegel. „Ich finde es generell sehr erfreulich, dass der Bankenmarkt endlich in Bewegung kommt“. Er vermutet, dass noch in diesem Sommer eine Konsolidierung auf dem deutschen Finanzmarkt stattfindet. „Das muss und wird sehr schnell gehen.“ Er könne sich auch vorstellen, dass ein ausländisches Institut bei der Postbank zum Zuge komme, sagte Bernhardt. „Das wäre keine schlimme Sache. Schließlich geht es hier nicht um eine sicherheitsrelevante Branche wie die Rüstung.“

Die Postbank wird schon länger von Großbanken umworben. Mit fast 15 Millionen Kunden, ihrer starken Stellung im Zahlungsverkehr und des engen Filialnetzes ist sie ein attraktiver Partner für Banken, die mit einer Übernahme ihre dürren Erträge im Privat- und Firmenkundengeschäft steigern könnten. Auch Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat bereits mehrfach Interesse an der Postbank signalisiert. Das Interesse der Großbanken rührt auch daher, dass eine Übernahme von Sparkassen, die zusammen immer noch 50 Prozent des Marktes für Privat- und kleine sowie mittelgroße Firmenkunden beherrschen, auf Jahre hin kaum möglich sein wird.

Auch der Allianz könnte die Postbank helfen, die noch immer unter der Übernahme der Dresdner Bank leidet. Der Kauf des traditionsreichen Instituts 2001 hat den Versicherungskonzern 24 Milliarden Euro gekostet. Unter dem Strich hat die Bank seitdem aber keinen Gewinn eingefahren, in den Büchern steht sie mit gerade noch zwölf Milliarden Euro. Die Aufspaltung in eine Investment- sowie eine Privat- und Firmenkundenbank ist beschlossene Sache. Die Einbringung der Dresdner Bank in ein neues Bündnis erscheint wahrscheinlicher als der Verkauf, die Allianz könnte so auch ihre Versicherungen vermehrt absetzen.

Den Beschäftigten der betroffenen Institute droht bei einer Fusion massiver Stellenabbau. „Ohne Personalabbau wird so eine Allianz nicht zu machen sein“, sagt Bankenexperte Wolfgang Gerke. Dass Arbeitsplätze gefährdet sein könnten, sei unvermeidbar, meint auch Unionspolitiker Bernhardt. Rein rechnerisch kämen Commerzbank, Postbank und Dresdner zusammen auf fast 84 000 Mitarbeiter. Bis zu 20 000 Arbeitsplätze stünden auf dem Spiel, befürchtet Verdi-Bundesvorstand Uwe Foullong. Eine Großfusion hält er daher für den falschen Weg.

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