Banken : Stuhlmann wird neuer WestLB-Chef

Spektakulärer Wechsel bei der WestLB: Thomas Fischer muss gehen, Nachfolger Alexander Stuhlmann soll die Landesbank aus der Krise führen.

Stefan Kaiser
Alexander Stuhlmann
Alexander Stuhlmann löst Bankchef Fischer bei der WestLB ab. -Foto: dpa

Berlin - Thomas Fischer wird als Chef der WestLB abgelöst. Das teilte die Bank nach einer Aufsichtsratssitzung am Donnerstag mit. Nach Infomationen des Tagesspiegel soll Fischer durch den ehemaligen Chef der HSH Nordbank, Alexander Stuhlmann, ersetzt werden. Noch ein weiteres Mitglied muss den Vorstand verlassen. Wie es aus Finanzkreisen hieß, soll es sich dabei um den bisherigen Risikovorstand der Bank, Matthijs van den Adel, handeln.

Der neue Chef Stuhlmann hatte die HSH Nordbank Anfang des Jahres verlassen, nachdem der private Investor Christopher Flowers bei der Landesbank eingestiegen war. Stuhlmann soll den Chefposten bei der WestLB nach Informationen des Tagesspiegels jedoch nur interimsweise übernehmen, bis die Fusion der Bank mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) unter Dach und Fach ist. Dann müsse neu über die Führungsstruktur nachgedacht werden, hieß es in Finanzkreisen.

Auf Druck der Finanzaufsicht BaFin hatte der Aufsichtsratschef der WestLB, Rolf Gerlach, mitten in der Urlaubszeit die außerordentliche Aufsichtsratssitzung einberufen. Anlass war ein Zwischenbericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, die im Auftrag der BaFin einen Skandal bei der WestLB untersucht. Die Bank hatte sich im Eigenhandel mit Aktien verspekuliert und dabei nach eigenen Angaben Verluste von bisher 243 Millionen Euro angehäuft. Experten und Aufsichtsratsmitglieder rechnen sogar mit bis zu 500 Millionen Euro.

Die Prüfer werfen dem Vorstand vor, den Aufsichtsrat unzureichend über die Risiken aus den Aktiengeschäften informiert zu haben. Von gravierenden Fehlern ist die Rede.

Der Austausch des Vorstands könnte nun den Weg zu einer Konsolidierung des Landesbankenlagers in Deutschland frei machen, bei der auch die kürzlich verkaufte Landesbank Berlin eine Rolle spielt. Die Eigentümer der WestLB, die Sparkassenverbände Rheinland und Westfalen-Lippe sowie das Land Nordrheinwestfalen, verhandeln bereits seit einigen Wochen mit der LBBW über eine Fusion, die einer Übernahme der WestLB durch die Stuttgarter gleich käme. Thomas Fischer hatte sich zunächst gegen diese Lösung gestellt und brachte stattdessen die Idee einer Holding-Gesellschaft auf die Tagesordnung. Unter dem Dach der Holding sollten mehrere unabhängige Landesbanken eng miteinander kooperieren. Im Zentrum sollten die WestLB und die von ihr übernommene SachsenLB stehen. Nun, wo Fischer weg ist, dürfte auch das Holding-Model vorerst vom Tisch sein. Zudem ist eine gewaltige Hürde für die Fusion mit der LBBW verschwunden. „Der Entscheidungsprozess könnte sich nun beschleunigen“, heißt es aus Kreisen der beteiligten Banken. Zumal sich auch der neue WestLB-Chef Stuhlmann nicht gegen die Fusion stemmen dürfte.

Auch der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV), der im Juni die Landesbank Berlin (LBB) vom Land gekauft hatte, soll mit der Berufung Stuhlmanns nicht unzufrieden sein. DSGV Präsident Heinrich Haasis strebt eine Neuordnung der deutschen Landesbankenszene an. „Herr Haasis wird alles tun, um das Landesbankenlager durch Fusionen zu stärken“, sagte ein Verbandssprecher dieser Zeitung.

Bereits in den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der unabhängigen Landesbanken durch zahlreiche Fusionen deutlich verringert. Aus den verbliebenen acht Bankenkonzernen sollen nach dem Willen von Sparkassenpräsident Haasis langfristig ein bis drei Banken werden. Eine entscheidende Rolle könnte dabei die Berliner LBB spielen, die der DSGV in eigener Regie behalten will.

Auch Experten fordern eine solche Konsolidierung, um die Landesbanken stärker und effizienter zu machen und unnötige Doppelfunktionen zu vermeiden. „Das ist die ideale Gelegenheit die Landesbankenstruktur effizienter zu machen“, sagte der Finanzwissenschaftler und Bankenexperte Wolfgang Gerke dem Tagesspiegel. Der Sparkassenverband sollte „die Gelegenheit beim Schopf packen“ und auf eine engere Kooperation oder weitere Fusionen von Landesbanken hinzuwirken. Eine Übernahme der WestLB durch die LBBW sei dabei „eine gute Lösung“, aber „nicht das einzig mögliche Ergebnis“. Stefan Kaiser

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