Wirtschaft : Banken verdienen mit Alternativen - Kunden greifen zu Fonds und Zertifikaten

Rolf Obertreis

Mehr und mehr Deutsche lassen Aktien und Aktienfonds links liegen. Ein Schlag für die Aktienkultur in Deutschland, klagt Rüdiger von Rosen, geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts (DAI). Freilich: So negativ wie das DAI schätzen die Praktiker die Lage nicht ein. Eine Mitverantwortung für die schwindende Aktienakzeptanz will niemand übernehmen.

„Der Trend ist so in unseren Filialen gar nicht erkennbar“, sagt Mark Sommer, bei der Dresdner Bank für das Filialgeschäft zuständig. Zwar seien die Kunden beim direkten Kauf von Aktien zurückhaltender geworden. Bei Fonds aber griffen sie nach wie vor zu: Netto haben sie nach Sommers Angaben seit Jahresanfang für 550 Millionen Euro Aktienfonds der Allianz-Dresdner-Tochter DIT gekauft. Allerdings, räumt Sommer ein, seien dies häufig keine klassischen Aktienfonds gewesen, sondern Anteile, die mit einer Kapitalgarantie verbunden sind.

Von Apathie im Aktiengeschäft wollen auch die Anlageberater der Commerzbank nichts wissen. „Wohl aber gibt es eine Umschichtung von der Direktanlage in Fonds“, sagt Sprecher Stefan Roberg. Besondere Marketingaktionen für Aktien gebe es deshalb nicht. Solche Initiativen sind auch bei der Frankfurter Sparkasse kein Thema. In der Regel bieten die Berater den Kunden deshalb Aktienfonds oder Zertifikate an. „Und die laufen weiter gut“, sagte Mathias Behrendt, Sprecher der Frankfurter Sparkasse.

Auch die Deutsche Bank kann keine Aktienscheu erkennen: Die Kunden des Instituts seien generell offener für Aktien, behauptet Sprecher Andreas Bartels. Zahlen über die jüngste Entwicklung beim Absatz von Aktienfonds oder Aktien hat er nicht parat. Die Frage stelle sich so auch nicht: Die Berater in den Filialen orientierten sich an den Bedürfnissen der Kunden und an der Wertentwicklung der Depots. Gezielte Initiativen oder Marketingaktion zur Ankurbelung des Aktiengeschäfts? Fehlanzeige.

Eine Erklärung für die Gelassenheit der Banken könnte der Erfolg beim Verkauf eines anderen, für die Banken einträglicheren Anlageproduktes sein: Zertifikate. Laut DAI waren im ersten Halbjahr 529 000 Anleger oder 0,8 Prozent der Deutschen im Besitz dieser Finanzinnovation. Das Geschäft mit Zertifikaten, die es in allen denkbaren (und meist komplizierten) Varianten gibt, läuft glänzend. Allein die Dresdner Bank hat seit Jahresanfang Zertifikate im Volumen von rund einer Milliarde Euro verkauft.

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