Wirtschaft : Banken verhandeln über Rettungspaket für Holzmann

Rolf Obertreis

Vermutlich am Dienstag werden die Banken, allen voran die Deutsche Bank, definitiv entscheiden, ob und wie sie das Überleben des schwer angeschlagenen Baukonzerns Philipp Holzmann ein weiteres Mal sichern wollen. Dem von der Deutschen Bank ausgearbeiteten Rettungsplan stimmten die Geldhäuser bei ihrem Krisentreffen am Freitag noch nicht zu. Das Paket sieht dem Vernehmen nach nicht nur die Ausgliederung von Grundstücken und Immobilien in eine von den Banken getragene Gesellschaft vor, sondern auch einen erneuten Forderungsverzicht. Insgesamt geht es nach Informationen aus Bankenkreisen um ein Paket im Volumen von rund einer Milliarde Euro.

Holzmann braucht dringend finanzielle Hilfe, weil das Eigenkapital auf nur noch 126 Millionen Euro zusammengeschmolzen ist. Dagegen steht für 2001 ein unerwartet hoher Verlust von nahezu 200 Millionen Euro in den Büchern. Damit wäre der Baukonzern praktisch pleite. Ein Holzmann-Sprecher sagte am Samstag, man habe den Banken bis in den späten Freitagabend hinein Vorschläge unterbreitet, wie der Konzern "von Risiken befreit werden kann, die nicht zum Kerngeschäft gehören". Diese Maßnahmen sollten "kurzfristig" umgesetzt werden. Dies belegt den dringenden Handlungsbedarf. Eine Entscheidung über das zweite Rettungspaket für Holzmann fällt vermutlich am Dienstag. Dann sind die turnusmäßigen Vorstandssitzungen bei den beteiligten Banken angesetzt.

Bereits Ende 1999 hatten die Geldhäuser dem Baukonzern mit mehr als zwei Milliarden Euro aus der Patsche geholfen. Allerdings erst auf massive Intervention von Bundeskanzler Gerhard Schröder, der sich dafür von Holzmann-Mitarbeitern in Frankfurt feiern ließ. Wegen Schröders Eingreifen gilt das Aus für den Baukonzern vor der Bundestagswahl im September als unwahrscheinlich. Die Banken hoffen seit über einem Jahr darauf, für Holzmann einen Käufer zu finden. Angeblich gibt es mehrere Interessenten. Erste konkrete Gespräche haben aber offenbar gezeigt, dass die Interessenten nur dann einsteigen wollen, wenn Holzmann von überflüssigem Ballast befreit wird. Dazu gehören die Immobilien und Grundstücke, die der Konzern bislang nicht losgeworden ist. Der Baukonzern hat sie zum größten Teil Anfang der neunziger Jahre gekauft, als Holzmann noch große Expansionspläne hatte. Gebäude und Immobilien sollen zum Teil noch mit Mietgarantien und anderen vertraglichen finanziellen Zusagen belastet sein.

Das neue Rettungspaket tragen müssen die Deutsche Bank, die rund 20 Prozent der Holzmann-Aktien hält, sowie die Dresdner Bank, die Commerzbank und mehrere Landesbanken. Am Überleben von Holzmann hängen immer noch rund 23 500 Arbeitsplätze. 20 000 Jobs hat der Konzern seit Ende 1997 bereits gestrichen. Auch die traditionsreiche Zentrale im Frankfurter Bankenviertel musste der Baukonzern Ende Februar aufgeben.

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