Wirtschaft : Banken warnen vor Folgen der Finanzkrise

WestLB erwartet 2007 hohe Verluste

Frankfurt am Main/Düsseldorf - Die Krise auf den Finanzmärkten ist nach Ansicht der deutschen Privatbanken noch nicht ausgestanden. „Die Folgen der Subprime-Krise werden uns noch einige Zeit begleiten“, sagte Klaus-Peter Müller, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Banken, am Montag in Frankfurt. Erst mit der Vorlage der Bilanzen im Frühjahr nächsten Jahres werde man wohl die nötige Transparenz haben. Erst dann könne das Vertrauen unter den Banken und an den Finanzmärkten wieder zurückkehren.

Am Abend meldete dann auch die Westdeutsche Landesbank (WestLB), dass sie 2007 nicht wie erwartet Gewinne, sondern ein heftiges Minus schreiben wird. „Aus heutiger Sicht ist im Konzern mit einem Verlust vor Steuern im niedrigen dreistelligen Millionenbereicht zu rechnen“, teilte die WestLB mit. Während sich das operative Geschäft planmäßig entwickle, stamme die Belastung vor allem aus Kursverlusten strukturierter Wertpapiere. Darunter fallen US-Subprime-Hypotheken. Mit Subprime bezeichnet man den amerikanischen Markt für Immobilienkredite an Schuldner mit geringer Bonität. Seit dem letzten Jahr fallen solche Kredite vermehrt aus. Das hat zu Turbulenzen an den weltweiten Finanzmärkten geführt. Im dritten Quartal hatten viele große Banken Milliardenbeträge abschreiben müssen.

Müller, der scheidende Vorstandschef der Commerzbank, wollte nicht ausschließen, dass auch für das vierte Quartal weitere Abschreibungen bei deutschen Banken notwendig werden. Der Wirtschaftsweise Bert Rürup sagte am Montag, er erwarte noch lange Auswirkungen der US-Immobilienkrise, glaube aber nicht an eine Bankenkrise. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht die europäische Wirtschaft für die Folgen der Finanzkrise besser gerüstet als die USA. Insbesondere vom Immobilienmarkt gingen in Europa weniger Risiken für die Wirtschaft aus als in den Vereinigten Staaten, erklärte der IWF in einem Regionalausblick.

Commerzbank-Chef Müller bleibt entgegen den bisherigen Planungen nicht nur bis März 2008, sondern bis Frühjahr 2009 Präsident des einflussreichen Bankenverbandes. Das hat der Verbandsvorstand am Montag einstimmig beschlossen. ro/Tsp

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