Wirtschaft : Banken wollen Feiertagshandel abschaffen

Im Boom konnte an der Börse nicht lange genug mit Aktien gehandelt werden – jetzt wird scharf nachgerechnet

-

Berli n/Frankfurt (Main) (mot/ro). Die Börsenhandelszeiten in Deutschland werden voraussichtlich wieder verkürzt. Die Deutsche Börse bestätigte am Montag, dass sie prüfe, den Schluss des Börsenhandels von 20 Uhr auf 17 Uhr 30 vorzuziehen. Zur Disposition steht offenbar auch der Handel an vier Feiertagen. Die Börse soll nach dem Wunsch wichtiger Marktteilnehmer künftig geschlossen bleiben. Abend und Feiertagshandel waren im Juni 2000 während des Börsenbooms eingeführt worden.

„Der Feiertagshandel hat sich genau wie der Abendhandel noch nie gerechnet“, sagte ein Commerzbank-Sprecher dem Tagesspiegel. Die Großbank plädiere deshalb nicht nur für eine Abschaffung des Handels zwischen 17 Uhr 30 und 20 Uhr, sondern auch für Ruhetage am Pfingstmontag, an Christi Himmelfahrt, Fronleichnam und am Tag der Deutschen Einheit. „Wir sind ohnehin 24 Stunden am Markt, weil wir in Fernost, in Europa und in New York handeln“, sagte der Sprecher. Der Feiertagshandel in Frankfurt sei deshalb überflüssig und teuer: „Wir könnten den Handel etwa am Tag der Deutschen Einheit locker auch in London abwickeln.“

Ähnlich äußerte sich die Hypo-Vereinsbank: „Wir hätten mit der Wiedereinführung des einen oder anderen Feiertags an der Börse kein Problem“, sagte ein Sprecher dieser Zeitung. Hier solle sich die Deutsche Börse an den Vorbildern in den USA oder Tokio orientieren, wo an nationalen Feiertagen seit jeher kein Börsenhandel stattfinde.

Auch für Fidel Helmer, Börsenchef des Bankhauses Hauck&Aufhäuser, ist die Verkürzung der Handelszeiten überfällig. „Wir waren immer gegen die Verlängerung. Die Kosten stehen in keinem Verhältnis zum Aufwand“. Der Handel an Feiertagen sei weniger problematisch, weil immerhin zusätzlicher Umsatz erwirtschaftet werde – auch wenn dieser längst nicht die Kosten decke. Aus Börsenkreisen ist zu hören, dass die Provisionserlöse pro Mitarbeiter an Feiertagen oft nur einige hundert Euro erreichen. Helmer findet eine Diskussion über die Abschaffung des Ferienhausgeschäfts im Übrigen politisch ungeschickt. „Wo Wirtschaftsminister Clement gerade für die Abschaffung von Feiertagen eintritt, können wir schlecht sagen, dass wir an Feiertagen nicht mehr arbeiten.“

Dennoch: Die Banken kritisieren den langen Abend- und Feiertagshandel in Deutschland aus Kostengründen schon länger. „Unsere Leute sind nicht ausgelastet“, heißt es bei der Commerzbank. An den Feiertagen arbeiten viele Geldinstitute mit Notbesetzungen. Dass sich der Handel am Abend für die Banken, Maklerhäuser und Kleinanleger nicht mehr lohnt, zeigen auch aktuelle Statistiken der Börse. In den vergangenen zwei Jahren sei der Anteil „kleinteiliger Orders“ in der Zeit nach 17 Uhr 30 deutlich gesunken, sagte die Börsensprecherin. Der Anteil des Abendhandels am gesamten Orderaufkommen habe im Jahr 2001 noch neun Prozent betragen. 2002 sei er auf acht Prozent gefallen. Im Mai 2003 habe es noch einmal einen Rückgang auf sieben Prozent gegeben. Das Handelsvolumen blieb im späten Handel dagegen konstant bei sieben Prozent. Vor allem institutionelle Anleger wie Versicherungen und Investmentgesellschaften, die rund 60 Prozent des Xetra-Handels bestreiten, verabschieden sich bereits nach 17 Uhr 30 aus dem Markt, weil die anderen europäischen Börsen schließen und die Umsätze in Frankfurt um diese Zeit einbrechen. „Die Kurse, die danach ermittelt werden, sind eher das Produkt von Zufälligkeiten“, sagt der Commerzbank-Sprecher. Immer mehr Kleinanleger hätten dies als Risiko erkannt und erteilten nun keine Aufträge mehr.

Die Deutsche Börse hat das Thema Feiertagshandel noch nicht auf die Tagesordnung genommen. „Eine Entscheidung darüber steht nicht zur Diskussion“, sagte eine Sprecherin. Die Börse sei aber offen für eine Diskussion. Diskutiert werden muss vor allem mit den Regionalbörsen, die sich wie die Berliner Börse auf spezielle Märkte und Wertpapiere konzentriert haben und den Abend- und Feiertagshandel als Anleger-Service vermarkten. Sollten die Regionalbörsen nicht mitziehen, sei die Börse in Frankfurt auch zu einem Alleingang bereit, heißt es. Bis Ende des Jahres soll allerspätestens über die Öffnungszeiten entschieden werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben