Wirtschaft : Banken zahlen kaum noch Steuern

Abgabenquote ist nach Berechnung der Bundesbank auf 26 Prozent gefallen/2200 Filialen geschlossen

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Frankfurt (Main) (ro/dpa). Die deutschen Banken haben im vergangenen Jahr nach Berechnungen der Bundesbank so wenig Steuern bezahlt wie seit dem Beginn der 80er Jahre nicht mehr. Dies ist aber nur zum Teil mit den stark rückläufigen Erträgen zu erklären, wie es im Monatsbericht September heißt. „Daneben spielen bereits wie im Vorjahr steuerrechtliche Änderungen eine wichtige Rolle.“

Insgesamt hätten sich die ertragsabhängigen Steuern binnen Jahresfrist um drei Milliarden Euro auf 3,7 Milliarden Euro verringert. Die Steuerquote sei seit 1999 von 42 auf 26 Prozent gefallen. Die Großbanken durften sich wie schon 2000 sogar über eine Rückerstattung des Fiskus in Höhe von 400 Millionen Euro freuen.

Der allgemeine Ertragsrückgang der Banken ist im zurückliegenden Jahr bei den einzelnen Institutsgruppen unterschiedlich ausgefallen. Besonders betroffen waren die Großbanken, betont die Bundesbank. Bei ihnen habe sich die gestiegene Zahl der Insolvenzen infolge der Konjunkturflaute in einer Zunahme an faulen Krediten und einer steigenden Risikovorsorge niedergeschlagen. Dementsprechend sei das Ergebnis nach Risikovorsorge bei ihnen deutlicher zurückgegangen als bei den Sparkassen oder Genossenschaftsbanken. Diese engagierten sich mehr im Massengeschäft. Dort hätten sich die Firmenschieflagen moderater in den Bilanzen niedergeschlagen.

Die Ertragslage der Geldhäuser sei auch von einem verschlechterten Provisionsüberschuss geprägt gewesen. Allerdings war es immer noch das zweitbeste Ergebnis aller Zeiten. Negativ wirkte sich dabei die zurückhaltendere Nachfrage der Kunden nach Aktien aus. Auch im Zinsgeschäft schrumpften die Einnahmen, weil die Zinsspanne auf den historischen Tiefstwert von nur noch 1,12 Prozent sank. Schließlich sind die Erlöse aus dem Platzierungsgeschäft rückläufig, da es nur noch 21 Börsengänge gab, nach 152 im Vorjahr.

Dagegen hätten sich die steigende Nachfrage der Privatkunden nach Rentenpapieren oder die Gebühren für Zahlungsverkehr oder Kreditbearbeitung stabilisierend ausgewirkt.

Insgesamt sank der Jahresüberschuss der Kreditinstitute 2001 um 2,2 Milliarden Euro auf 10,4 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis schrumpfte sogar um ein Drittel. Dabei hielten sich beim Vorsteuer-Gewinn die Einbußen bei Groß- und Volksbanken mit 7,3 beziehungsweise 6,3 Prozent auf 2,95 Milliarden und 1,96 Milliarden Euro noch in Grenzen. Die Sparkassen mussten dagegen einen Rückgang um 27,3 Prozent auf 3,67 Milliarden Euro verkraften. Dagegen konnten die Hypothekenbanken um rund 53 Prozent zulegen.

Angesichts der schwierigen Lage traten die Institute schon 2001 massiv auf die Kostenbremse. Dies gilt nach Angaben der Bundesbank nicht nur für die Zahl der Beschäftigten. So wurden allein bei den Großbanken über 500 Filialen geschlossen, Ende des Jahres waren es noch 2369. Die Sparkassen machten zwar ebenfalls 500 Zweigstellen dicht, zählen allerdings immer noch fast 16500 Ableger. Bei den Genossenschaftsbanken wurden 750 Filialen geschlossen, Ende 2001 waren es noch knapp 14 600. Insgesamt gab es in Deutschland Ende vergangenen Jahres 37427 Bank- und Sparkassenfilialen, rund 2200 weniger als ein Jahr zuvor.

Parallel dazu wurden Stellen abgebaut. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Mitarbeiter bei Banken und Sparkassen, so die Notenbank, zu ersten Mal nach 1996 wieder gesunken, um 0,8 Prozent oder 5600 auf rund 728000. Dabei entfiel der größte Teil mit 4400 auf die vier deutschen Großbanken, bei den Volks- und Raiffeisenbanken wurden 1100 Stellen gestrichen, bei den Sparkassen 1300. Die Landesbanken dagegen stockten noch um knapp 1000 Beschäftigte auf.

Trotz dieser Maßnahmen beurteilt die Bundesbank die weitere Entwicklung der Institute keineswegs zuversichtlich. „Nach den bisherigen Ergebnissen für die erste Jahreshälfte ist mit einer weiteren Verschlechterung der Ertragslage in laufenden Jahr zu rechnen“, schreiben die Notenbanker. Für das kommende Jahr wagen sie allerdings keine Prognose.

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