Wirtschaft : Banken zieren sich schon zu lange

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Von Bernd Hops

Bei den Unternehmen ist es nicht anders als im Privatleben. Das jüngste Beispiel: Commerzbank und HypoVereinsbank. Freunde bedrängen die zwei, es doch miteinander zu versuchen. „Ihr würdet ein schönes Paar abgeben“, heißt es. Doch die Beteiligten zieren sich. Vielleicht kommt ja noch eine bessere Partie des Weges. Nur irgendwann ist die Chance vertan.

Commerzbank und Hypo-Vereinsbank droht diese Gefahr. Die Vorstände verhandeln zwar schon lange und intensiv über einen möglichen Zusammenschluss. Bloß wenn er konkret werden soll, schrecken sie dann doch zurück. Zuletzt war das vor wenigen Tagen der Fall. Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller wollte eine Fusion mit der Hypo-Vereinsbank auf Anfrage nicht ausschließen, sein Kollege Dieter Rampl, der neue Vorstandschef der Hypo-Vereinsbank, sagte dagegen kurz darauf, man habe erst einmal Wichtigeres zu tun.

Dabei würde der Zusammenschluss bei weitem mehr Vorteile als Nachteile bieten. Über die Zusammenführung der beiden defizitären Discountbanken DAB (Hypo) und Comdirect (Commerzbank) haben die beiden Mütter schon gesprochen – und die Idee für gut befunden, auch wenn sie noch nicht umgesetzt wird. Regional betrachtet würden sich beide Banken sowohl in Deutschland als auch im Ausland gut ergänzen. Und beide haben den Versicherungskonzern Münchener Rück als Großaktionär, der eine Fusion gerne sehen würde.

Selbst die Privatkunden könnten von der Ehe profitieren. Das Filialnetz würde durch die Zusammenlegung in weiten Teilen Deutschlands dichter, selbst wenn die ein oder andere Geschäftsstelle wegen Doppelbesetzung oder aus Rentabilitätsgründen geschlossen würde.

Bleiben also die Mitarbeiter. Für die stellt sich die Frage, ob sie bei einer Fusion oder im Alleingang ihrer Geldhäuser die besseren Chancen hätten. Für die Commerzbank ist die Antwort einfach. Auf sich allein gestellt ist die kleinste der deutschen Großbanken kein sicherer Arbeitgeber.

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