Wirtschaft : Bankenaktien haben noch Nachholbedarf

FRANKFURT (MAIN) (kr/HB). Die großen Renner waren Bankaktien in den vergangenen Monaten nicht. Im Gegenteil: Die weit überwiegende Zahl der an den europäischen Wertpapierbörsen notierten Bankwerte hat sich im zweiten Quartal schlechter als der Gesamtmarkt entwickelt; ein Teil der zuvor erzielten Kursgewinne ging wieder verloren. Eine Ausnahme bildeten vor allem die Titel der drei Frankfurter Großbanken. An der Spitze aller europäischen Finanzwerte hat sich die Aktie der Deutschen Bank etabliert, die im Zeitraum April/Juni mit einem Kursplus von 27,6 Prozent aufwartete.Die positive Tendenz der deutschen Bankentitel hielt auch zu Beginn des dritten Quartals an. In der vergangenen Woche kletterten ihre Kurse um durchschnittlich gut ein Zehntel. Die Kursavancen vom vergangenen Freitag, die zwischen einem Plus von 3,6 Prozent für die Titel der Deutschen Bank und knapp sieben Prozent bei der Dresdner Bank schwankten, konnten zu Beginn der neuen Woche allerdings nicht voll durchgehalten werden.Ein Blick zurück erhellt, daß dem deutschen Bankensektor nach der Baisseentwicklung an den Aktienmärkten im dritten Quartal 1998 für längere Zeit eine Erholung versagt geblieben ist. Auch im Vergleich zu anderen Bankenbereichen in Europa (Frankreich, Spanien, Italien) war der Bankenmarkt in Deutschland bis ins Frühjahr 1999 durch eine relative Schwäche gekennzeichnet. Erst seit einigen Wochen präsentiert er sich relativ stark.Für den jüngsten Kursschub sorgten US-Investmentbanken, die sich von den Steuerreformplänen der Bundesregierung inspirieren ließen und ihre Gewinnschätzungen zum Teil kräftig anhoben. So haben die Analysten von Goldman Sachs ihr Kursziel für die Deutsche Bank im Jahr 2000 von 79 auf 92 Euro und das für die Dresdner Bank von 57 auf 66 Euro nach oben revidiert. Sie setzen dabei auf künftige Verkäufe aus dem Industrieportefeuille der beiden Häuser. Bei einer Änderung der Steuergesetze in der derzeit diskutierten Form versprechen sich die "Goldmänner" für die Frankfurter Großbanken und die HypoVereinsbank einen durchschnittlichen Kursanstieg von 17 Prozent.Die Investmentbank Salomon Smith Barney hat ermittelt, daß sich im zweiten Quartal zwölf von insgesamt 15 europäischen Bankenmärkten unterdurchschnittlich entwickelt haben. Mit den schlechtesten Werten warteten dabei Irland, Italien und Belgien auf. Das einzige größere Land, in dem der Bankensektor einen überdurchschnittlichen Kursanstieg hinlegte, ist Deutschland mit einem Kursplus von absolut 13 Prozent oder in Relation zum europäischen Gesamtmarkt von plus 9 Prozent.Eine Aufgliederung nach Bankengruppen zeigt, daß es im zweiten Quartal lediglich den Internationalen Banken gelungen ist, den Markt "outzuperformen". Die Investmentbanken entwickelten sich parallel zum Gesamtmarkt. Die Universalbanken und die Retailbanken schnitten unterdurchschnittlich ab.Für die Frankfurter Großbanken errechnen sich nach Salomon im ersten Semester 1999 folgende relative Kursveränderungen: Deutsche Bank plus 12,8 (absolut 21,3) Prozent, Commerzbank plus 1,7 (9,3) Prozent und Dresdner Bank minus 1,5 (plus 5,9) Prozent; bei HypoVereinsbank ergab sich eine relative Kurseinbuße von 12,2 (minus 5,6) Prozent.

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