• Bankenaufsicht geht auf Distanz zu Prüfern der Bankgesellschaft US-Investor Lone Star äußert sich schockiert, will aber weiter bieten

Wirtschaft : Bankenaufsicht geht auf Distanz zu Prüfern der Bankgesellschaft US-Investor Lone Star äußert sich schockiert, will aber weiter bieten

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Berlin (HB/TSP). Die Mitglieder des Berliner Untersuchungsausschusses zur Aufklärung der Affäre um die Bankgesellschaft haben offenbar schon länger Kenntnis von Zweifeln an den Testaten der Hamburger Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO Deutsche Warentreuhand. Nach Informationen des Handelsblatts hat die Vertreterin des Bundesaufsichtsamts für das Finanzwesen (BAFin), Carmen Kobinger-Windpassinger, in einer der nichtöffentlichen Sitzungen des Berliner Untersuchungsausschusses auf entsprechende Erkenntnisse ihres Amtes hingewiesen. Wie berichtet, lag bereits 1997 das Sondergutachten eines Wirtschaftsprüfers aus Hannover vor, dass die von BDO testierte Bilanz der Banktochter IBG anzweifelte. Dieses Gutachten verschwand in der Schublade des damaligen IBG-Vorstands und ist erst jetzt wieder aufgetaucht.

Das Bonner Aufsichtsamt, so hieß es von Ausschussmitgliedern, habe die BDO schon seit geraumer Zeit im Blick, berichtet das Handelsblatt. Auch in anderen Fällen habe es schon „mangelhafte Prüfungsleistungen“ der BDO gegeben. Im Fall der Bankgesellschaft Berlin (BGB) sei das BAFin zu dem Ergebnis gekommen, dass die Bilanzierungsmethode, die die BGB-Tochter IBG angewendet hatte und die von BDO als zulässig bewertet worden sei, nicht zulässig gewesen sei. Aus diesem Grund, so das BAFin, erhalte BDO keine Sonderprüfungsaufträge mehr, berichtet das Wirtschaftsblatt weiter.

Die in Hamburg ansässige BDO hat die Anschuldigungen inzwischen bestritten. BDO, will die in Frage stehenden Vorgänge aus dem Jahr 1997 „sorgfältigst“ prüfen und sich im Laufe dieser Woche zu den Vorgängen äußern.

Die Finanzaufsicht hat aber nicht nur BDO im Visier. Auch die Prüfgesellschaften KPMG Deutsche Treuhandgesellschaft AG und die PWC Deutsche Revision AG haben in Berlin offenbar nicht zur vollen Zufriedenheit der Bonner Kontrolleure gearbeitet. Carmen Kobinger-Windpassinger soll im Ausschuss darauf hingewiesen haben, dass etwa KPMG in den Jahresabschlüssen der BGB-Tochter Landesbank von 1998 und 1999 die Risiken zu niedrig bewertet habe. Deshalb sei im Jahr 2000 eine erheblich höhere Risikovorsorge nötig gewesen. PWC wurde vom BAFin dahingehend kritisiert, als Prüfer des Gesamtkonzerns BGB „zu den erheblichen strukturellen Mängeln im Risikomanagement nicht oder nicht ausreichend Stellung“ genommen zu haben.

Die neue Führung der Bankgesellschaft – Vorstandschef Hans-Jörg Vetter und Aufsichtsratsvorsitzender Ernst-Otto Sandvoß – hat daher mitgeteilt, dass sie erwägt, gleich gegen mehrere Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Schadensersatzansprüche geltend zu machen. Vetter sagte dem Handelsblatt, „innerhalb der nächsten Monate will die Bank den Gesamtüberblick über wesentliche Schadensersatzansprüche und die Erfolgsaussicht ihrer Durchsetzbarkeit haben."

Am Wochenende meldete sich auch einer der potenziellen Investoren, der Europa-Chef von Lone Star, Roger Orf zu Wort. In London sagte Orf gegenüber dem Handelsblatt, die neuen Informationen machen Lone Star durchaus Sorgen. „ Wenn es stimmt, schockiert uns das sehr. Allerdings wären wir bei einer Übernahme nicht verantwortlich für nachfolgende Rechtsprozesse. Wir bewerben uns nicht für das Geschäft der Immobilientochter IBG.“ Dennoch zeige der Fall, dass sich auch in den Teilen der Bankgesellschaft Risiken verbergen können. Lone Stare werde sich deshalb aber nicht zurückziehen. Man werde versuchen, das Risiko so gering wie möglich zu halten – etwa durch sorgfältige Prüfung der wirtschaftlichen Situation. Dafür arbeite Lone Stare mit der KPMG und McKinsey sowie diversen Rechtsanwälten zusammen. Eine Garantie vor weiteren Risiken könne es aber nicht geben.

Orf äußerte sich auch zu der Frage, wie der private Investor das öffentlich-rechtliche Sparkassen-Logo erhalten könnte. „Wir haben eine Idee, die rechtlich möglich, aber kompliziert ist. Wir können uns ein Modell vorstellen, bei dem das Land Berlin weiter die Bank besitzt und uns nur das wirtschaftliche Eigentum überlässt.“

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